Klahr    Alfred Klahr Gesellschaft

Verein zur Erforschung der Geschichte der Arbeiterbewegung

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Willi Weinert: Archive und Bibliothek der KPÖ

EIN BLICK IN DIE GESCHICHTE

Was sind Archive? Wozu dienen sie?/ Ein Blick in die Geschichte: Archiv der KPÖ vor 1938/ Bibliothek der KPÖ vor 1938/ Zeitungsarchiv

NEUBEGINN 1945. VOM ENTSTEHEN DER VERSCHIEDENSTEN SAMMLUNGEN

Der Globus Verlag pachtet den Steyrermühl Verlag/ Aus der Geschichte des Steyrermühl Verlages/ Das Tagblatt-Archiv/ Das Schnittarchiv der »Österreichischen Volksstimme«/ Konzepte zur Weiterführung des bestehenden Archivs/ Anmerkungen zur Systematik in einem Archiv/ Wozu eine Systematik?/ Systematik eines Zeitungsarchivs/ Die Systematik des Tagblatt-Archivs/ 1947–1984: Die Adaptionen in der Systematik/ Der Alltag des Schnittarchivs nach 1945/ Das ZK-Archiv/ Die Systematik des ZK-Archiv bis 31.12.1956/ Der Weg zum „Parteiarchiv“/ Bildarchiv/ 1956: Vom Fleischmarkt auf den Höchstädtplatz/ Über die Praxis eines Schnittarchivs/ Zur Stellung des Archivs/ ZK-Bibliothek/ Die Bestände des Parteiarchivs/ Von Archivbenützung, Benützern und Verlusten/ Skartierungen/ Alfred Klahr Gesellschaft/ Personalia: Archiv, Bildarchiv, Bibliothek, Parteiarchiv

Dieser Beitrag ist nicht nur die erste Darstellung der Entwicklung der verschiedenen Sammlungen (Archive) der KPÖ, sondern unseres Wissens nach auch der erste Versuch, die Entwicklung und Veränderung eines der bedeutendsten österreichischen Zeitungsarchivs nach 1945 nachzuzeichnen. Das schien uns ausreichend Grund dafür zu sein, dass wir im Anmerkungsapparat sehr detailreich die jeweiligen Schemata wiedergegeben haben, weil durch sie einer präsumtiven Benützerin/einem präsumtiven Benützer eine Ahnung der Themenbreite des nun als historisch zu bezeichnenden Archivs gegeben werden kann. Von da her begründet sich auch die breitere Darlegung der für ein Archiv so zentralen Frage der Systematik. Damit erhält auch eine Fachfremde/ein Fachfremder Einblick in eine Materie, die für sie/ihn meist sehr weit außerhalb ihres/seines Blickfeldes liegt.

Viel altes Material, das über die Geschichte des Archivs nach 1945 hätte Auskunft geben können, war nicht vorhanden. Was aber nicht heißen muss, dass es von den ArchivmitarbeiterInnen nicht aufgehoben worden ist. Es kann auch bedeuten, dass vieles geschehen ist, ohne Spuren auf Papier zu hinterlassen. Das wenige wurde berücksichtigt.

Auch konnten für diesen Artikel weder umfangreiche und zeitintensive Recherchen in den Beständen vorgenommen, noch die Materialien der zuständigen Parteigremien durchgesehen werden, ob sich eventuell noch Hinweise auf Beschäftigungen mit dem Archiv finden. Somit darf es u.a. auch nicht verwundern, wenn in der beigefügten Liste der MitarbeiterInnen manche Daten fehlen. Uns erschien die unvollständige Erwähnung wichtiger als ein Verzicht der Wiedergabe.

Ein Blick in die Geschichte

Was sind Archive? Wozu dienen sie?

Archive sind zunächst Sammlungen geschriebener Dokumente, die aus rechtlichem und allseitig historischem Interesse zum Zwecke ihrer angemessenen Verwahrung angelegt wurden. Archive hat es schon in der Antike gegeben, wovon die Überlieferung von Papyrus- und Tontafelsammlungen berichten. Aus dem frühen Mittelalter sind im europäischen Raum Urkundensammlungen aus Pergament erhalten. Das Wort Archiv selbst ist griechischen Ursprungs und bedeutet Rathaus. Archive, in denen heute neben Schriftgut auch Bildmaterialien (Karten, Zeichnungen, Fotos und Filme), Tonträger, gelegentlich auch museale Gegenstände wie Fahnen, Medaillen oder Devotionalien aufbewahrt werden und die häufig eigene (Archiv-)Bibliotheken besitzen, können sich entsprechend ihren Inhabern auf private, auf lokale wie auf allgemein öffentliche Angelegenheiten beziehen, wobei die Grenzen stets auflösbar sind. Mit der Entwicklung der bürgerlichen Gesellschaft seit Beginn des 19. Jahrhunderts haben die Archive als historisches Erbe an Bedeutung gewonnen. Es gibt, um nur einige zur Verdeutlichung zu nennen, Familienarchive, Stadtarchive, Landesarchive, Staatsarchive (Kriegs-, Finanz-, Justiz-, Herrschaftsarchive), Kirchenarchive, Archive von Organisationen wie von Vereinen, Parteien, Banken, Firmen.

Archive haben, wie das historische Gedächtnis überhaupt, zu verschiedenen Zeiten verschiedene Konjunkturen. In den Bauernkriegen wurden Klosterarchive gestürmt, um die die Fron festschreibenden Urkunden zu vernichten. In der Gegenwart haben manche Banken und (Waffen-)Konzerne ein Interesse daran, ihre Archive, die auch Dokumentationsstellen der Unterdrückung, Ausbeutung und Korruption sind, selbst in den Reißwolf zu geben. Auch lassen sich heute mit einzelnen Archivalien oder Archivbeständen gute publizistisch-politische Geschäfte machen, wie jede Zeitungsleserin und jeder Zeitungsleser weiß.

Je länger solche Informationsträger aufbewahrt wurden, um so weniger wurden sie für die laufenden Tätigkeiten benötigt, und weil ihre Aufbewahrung auch meistens viel Platz erforderte, entstand die Notwendigkeit, sie von den aktuellen Materialien getrennt aufzubewahren, so sie nicht überhaupt vernichtet wurden, weil als zukünftig wertlos angesehen. Überlegungen, sie aus historischem Interesse aufzuheben, waren durch viele Jahrhunderte völlig unbekannt und wurden erst in Ansätzen im 18., verstärkt im 19. Jahrhundert tragend.

Aus diesen Anforderungen entwickelte sich das, was man Archive nennt. Man versteht darunter eine Einrichtung, in der vor allem schriftliche Materialien zum Zwecke der weiteren Benützung aufbewahrt werden (Urkunden, Schriftstücke, Pläne, Fotos, aber auch audiovisuelle Medien, usw.) Archive werden von der öffentlichen Hand genauso betrieben wie von privater Seite. Stehen sie im ersten Fall im engen Zusammenhang der Kommunikation des Staates (der Behörden) mit den StaatsbürgerInnen, sind private Archive der Aufbewahrungsort von solchen Materialien, die der Betreiber für seine geschäftliche Tätigkeit oder für sein privates Interesse (z.B. Hobby) erhaltenswürdig (-notwendig) erachtet.

So kann ein Firmenarchiv all das aufbewahren, was nicht nur die Geschichte der Firma dokumentiert, sondern auch ihre aktuelle Tätigkeit ermöglicht, indem dort wichtige Informationen gesammelt und den ForscherInnen oder TechnikerInnen zugänglich gemacht werden (so die Firma Produkte entwickelt und herstellt). Es kann sich bei einer Firma durchaus auch um eine Zeitung handeln, die ein eigenes Archiv betreibt, in dem die mit der Produktion der Zeitung beschäftigten Redakteure und Redakteurinnen Informationen finden sollten, die sie für die Herstellung einer Zeitung benötigen; und das sind entweder Text- oder Bildinformationen.

Ob im konkreten Fall diese Einrichtung Archiv, Dokumentationsstelle oder anders benannt wird, ist unerheblich. Entscheidend ist das Faktum, dass Materialien (der Fachausdruck dafür heißt Archivgut) aufgehoben werden, weil ihre Archivierung von dem Archivbetreiber als notwendig angesehen wird, ihn bewegt, erhebliche finanzielle Beträge dafür zur Verfügung zu stellen. Das ist auch der Ausgangspunkt für große Missverständnisse bei Unkundigen, für die das Archiv unproduktiv und daher in ihren Vorstellungen immer wieder ein Bereich ist, in dem man Einsparungen vornehmen muss. Die Einsicht, dass Information einen Wert besitzt, ist für diese Menschen nicht nachvollziehbar./1/

Letztlich sind Archive jene Einrichtungen, in denen bestimmte Informationen über die Geschichte und die Entwicklung dieser Welt abgefragt werden können. Im Unterschied dazu heißen Aufbewahrungsorte von gegenständlichen Dingen (Bilder, Autos, Uhren, präparierten Tieren, Steinen usw.) Museen oder Sammlungen, und solche, in denen Bücher aufbewahrt werden, Bibliotheken.

Archiv der KPÖ vor 1938

Die Tätigkeit einer politischen Partei bringt mit sich, dass sie nicht nur eine Ablage ihrer unmittelbaren schriftlichen Materialien (Protokolle, Beschlüsse, Agitationsmaterialien usw.) führt, sondern auch angehalten ist, sich Informationen zu beschaffen, die Voraussetzung eines Teils ihres täglichen Agierens sind.

Die KPÖ war in der ersten Republik zwar formell als Partei konstituiert, aber de facto ein Teil (Sektion) einer Weltpartei, nämlich der Kommunistischen Internationale (KI). Ihre finanziellen Möglichkeiten waren sehr beschränkt und sie war zum Großteil von den Geldzuwendungen der KI abhängig. Diese Voraussetzungen waren (sieht man einmal davon ab, dass sich eine kleine, mit der Perspektive einer baldigen Revolution agierende Partei nicht zuvorderst Gedanken über die Archivierung von Materialien macht) nicht dazu angetan, Archivgedanken zu befördern. Die Mutterpartei, die Kommunistische Internationale, führte ein Archiv in Moskau, dem auch zahlreiche dieser oben erwähnten Materialien von der KPÖ laufend übergeben wurden.

Dass die KPÖ in den 20er-Jahren aber doch auch ein Archiv betrieben hat, kann einem Hinweis im Zentralorgan »Rote Fahne« entnommen werden, wo es hieß: „Genossen, welche am Archiv mitarbeiten wollen, mögen sich in der Redaktion des Blattes melden.“/2/ Die Frage, was dieses Archiv aufbewahrt hat, kann durch das Fehlen weiterer Angaben nicht beantwortet werden.

Ein anderer Hinweis findet sich in Arnold Reisbergs Parteichronik, in der für den 12.2.1926 verzeichnet ist: „Archiv, Informations- und Statistik-Ressort in der KPÖ von Egon Stern geleitet.“/3/

Dieses Archiv befand sich am Sitz der KPÖ in Wien 8, Alserstrasse 69 und wurde, wie Franz Freihaut/4/, ein schon damals in der Partei tätiger Funktionär, in den 80er-Jahren mündlich mitteilte, noch vor dem Parteiverbot (Mai 1933) abtransportiert./5/ Er erinnerte sich noch, dass das „mit so kleinen Leiterwagerln geschah“, aber nicht mehr, wohin das Material gebracht wurde und welcher Art dieses Material war. Fest steht, dass nach 1945 nichts mehr davon auftauchte. Auch sind bislang keinerlei schriftliche Hinweise über den Umfang und den Inhalt dieses Archivs bekannt geworden. Somit liegen die relevanten Materialien der KPÖ für diesen Zeitraum im ehemaligen IML in Moskau./6/

Auch für die Zeit der Illegalität sind Archivtätigkeiten in der KPÖ überliefert. So schrieb Dr. Hilde Kothny, die an der Wiener Universität Chemie studierte, 1936 von dieser relegiert wurde und ihr Studium im Prag fortsetzte und beendete, dass sie von der Partei in Prag zu Archivarbeiten herangezogen worden ist./7/

Dass im (Todes)Urteil gegen Ludwig Schmidt/8/ angeführt wird: „Außerdem betreute der Angeklagte einige Wochen lang das gut ausgestattete Wiener Archiv der KPÖ“, zeigt, unabhängig von der Klärung der Frage, was denn dieses Archiv aufbewahrte/9/, wie sehr man auch in solch einer (lebens)gefährlichen Situation meinte, für die politische Arbeit Materialsammlungen zur Hand haben zu müssen.

Erhalten haben sich aus der Zeit vor 1945 Fragmente einer mehr als Handarchiv zu bezeichnenden Sammlungen von Dokumenten der Partei aus der Zeit des Moskauer Exils. Es sind dies fragmentarische Beschlussprotokolle des Polbüros, Namenslisten von Mitgliedern im sowjetischen Exil und Briefwechsel mit der KI, die u.a. das Bemühen der Partei für Repressierte oder unter komplizierten Bedingungen in der Evakuation lebenden Genossen und Genossinnen widerspiegeln./10/ Teilweise reichen diese Schreiben bis nach 1945, und beinhalten auch die Bemühungen des in Moskau mit Rückführung von Österreichern beauftragten Friedrich Hexmann./11/ Auch Materialien über die Aktivitäten der KommunistInnen aus anderen Exilländern sind vorhanden.

Bibliothek der KPÖ vor 1938

Von der Überzeugung geleitet, das Bewusstsein der Arbeiterklasse zu heben, war es vom Anbeginn an der KPÖ ein Anliegen, diesem Bildungsauftrag Rechnung zu tragen. Da Bücher damals im Verhältnis zum Verdienst der Menschen unvergleichlich teurer waren als heute, spielte schon seit den Anfängen der Arbeiterbewegung die Bibliothek, in der man sich fortschrittliche und politische Literatur ausleihen konnte, eine wichtige Rolle. /12/ 1921 findet sich in den »Nachrichten für den Referenten« eine „Mitteilung: Bibliotheksbenützung. Die Bibliothek der Zentrale ist für die Referenten und angehende Referenten Mittwoch, Donnerstag und Samstag von ½ 7 bis ½ 10 Uhr abends zugänglich.“/13/

Diese Bibliothek befand sich ebenfalls am Sitz der KPÖ. Von der Bildungszentrale der Partei betrieben, arbeitete dort in der 1. Hälfte der 20er-Jahre Kurt Landau und Hilde Koplenig./14/ Natürlich werden auch hier die beschränkten finanziellen Mittel die Grenzen gesetzt haben, wird man sich darauf beschränkt haben, marxistische, kommunistische Literatur und Zeitungen, die ansonst in Wien nicht greifbar oder für die oft arbeitslosen und unbezahlt tätigen FunktionärInnen nicht leistbar waren, anzubieten. /15/

Zeitungsarchiv

In einem Buch, das bereits vor mehr als 130 Jahren unter dem Titel Die Zeitung erschienen ist, kann man auch Anmerkungen zu einer Redactionsbibliothek finden, die, wie der Autor festhielt, „das wichtigste Handwerkzeug eines Journalisten“ ist. „Ihr“, so der Schluss des Schreibers, „gebührt der erste Platz in der Reihe der journalistischen Behelfe.“/16/

Der damalige Autor verstand unter Redaktionsbibliothek, wie weiteren Anmerkungen zu entnehmen ist, nicht nur einen Ort in der Redaktion, an dem Bücher zum Nachschlagen aufbewahrt wurden, sondern auch Ausschnitte aus Zeitungen, schriftliche Hinweise etc.

Unter diesem Begriff versteht man auch heute ein Archiv, das zur Unterstützung der journalistischen Arbeit seitens des Herausgebers einer Zeitung betrieben wird. Darin werden die Inhalte der eigenen Zeitung meistens noch immer in Form von ausgeschnittenen Artikeln, nach einem bestimmten System strukturiert, aufbewahrt. Da zu diesem Zweck die Zeitung zerschnitten werden muss, nennt man so ein Archiv auch Schnittarchiv (Zeitungsausschnittearchiv). So eine Sammlung von Zeitungsausschnitten, die den Redakteuren des Zentralorgans »Rote Fahne« zur Arbeit hätte dienen können, gab es nicht. Waren doch schon die finanziellen Schwierigkeiten der täglichen Zeitungsproduktion so groß, dass sie das Limit des Möglichen erreichten. Die Informationsbeschaffung erfolgte, wie Zeitzeugen mitteilten, in der Studienbibliothek der Arbeiterkammer./17/

Diese Bildungsmöglichkeit wird auch von Albert Fuchs in seiner Autobiographie erwähnt, der im März 1933 zur KPÖ stieß und ob seiner akademischen Bildung, er war Jurist, von der Partei gleich mit Schulungstätigkeiten beauftragt wurde. Um sich das nötige marxistische Grundwissen anzueignen, benutzte er auch die Arbeiterkammerbibliothek, weil er dort jene Bücher fand, die man damals schon nicht mehr kaufen konnte.

„Allmählich wurde die Sache besser. Die Schulungsabteilung der Parteizentrale begann zu funktionieren. Kursleiter eines oder mehrerer Bezirke wurden selbst zu Schulungskursen zusammengefasst. Schriftliches Material wurde ausgegeben und so fort. Auch stellten sich Resultate der Lektüre ein, die ich so systematisch als nur möglich betrieb.

Die Bibliothek der Arbeiterkammer in der Ebendorferstraße bot wunderbare Gelegenheit zu politischer Lektüre. Es war eine der größten sozialwissenschaftlichen Bibliotheken des Kontinents. Man erhielt dort noch lange nach dem Februarumsturz ohne weiteres die marxistische Literatur, die im Buchhandel verboten war.“/18/

Neubeginn 1945. Vom Entstehen der verschiedenen Sammlungen

Der Globus Verlag pachtet den Steyrermühl Verlag

In den Julitagen 1945 fand in einer Villa in der Hietzinger Wenzgasse zwischen dem Leiter der provisorischen Regierung Karl Renner und Vertretern der drei demokratischen Parteien (KPÖ, ÖVP, SPÖ) Gespräche über die Übergabe von Druckereien an die Parteien und die Herausgabe von Parteizeitungen statt, die neben den beiden bereits erscheinenden Zeitungen (»Österreichische Zeitung«, Organ der Roten Armee in Österreich, und »Neues Österreich«, Zeitung der demokratischen Einigung) erscheinen sollten. Die SPÖ und ÖVP bekamen wieder Zugriff auf die Druckereien ihrer Einflusssphären aus der Zeit vor 1938 (resp. 1934), der KPÖ, die auf nichts Vergleichbares zurückgreifen konnte, wurde per Regierungsentschluss eine leistungsfähige Druckerei zugesichert, und sie konnte die ehemalige Steyrermühl Druckerei (unter den Nazis war dies der Ostmärkische Zeitungs-Verlag) auf 10 Jahre pachten./19/ Dieser Betrieb bestand aus dem Objekt am Fleischmarkt und einer Kunstdruckerei in der Gumpendorferstraße./20/

Ein Vorvertrag mit der KPÖ fixierte diese Übereinkunft mit Renner. Am 1.8.1945 wurde die Globus, Zeitungs-, Druck- und Verlagsanstalt Ges.m.b.H. gegründet, die als Pächterin des Steyrermühl Verlages figurierte. Ab 5.8.1945 (Nr.1, 1.Jg.) druckte der Globus Verlag dann das Zentralorgan der KPÖ, die »Österreichische Volksstimme«, am Fleischmarkt.

Aus der Geschichte des Steyrermühl Verlages

Die Steyrermühl AG wurde im Jahr 1872 gegründet und umfasste bis 1938 folgende Betriebe: a) Die Papierfabrik Steyrermühl in Oberösterreich (Gmunden), b) Die Zeitungsdruckerei Wien 1, Fleischmarkt 3–5, c) Die Buch- und Kunstdruckerei Wien 6, Gumpendorferstraße 42.

Vor 1936 hatte die Creditanstalt die Aktienmajorität, doch verkaufte sowohl sie als auch das Bankhaus Schöller&Co große Pakete, so dass 1938 keine geschlossene Aktienmajorität gegeben war. Das Aktienkapital betrug per 31.12.1937 10,5 Mio. öS. Der Zeitungsverlag war der verdienende Teil, die Fabrik arbeitete mit Verlusten. 1938 wurde, nach kurzfristigen Zwischenverwaltern, Dr. Leopold Winkler, ein österreichischer Nazi, als kommissarischer Verwalter eingesetzt. Da ein reichsdeutsches Gesetz die Führung eines Zeitungsverlages als Aktiengesellschaft untersagte, musste bis 31.7.1938 eine diesbezügliche Änderung erfolgen. Alle Juden wurden entlassen; ein Vertreter des nationalsozialistischen Eher-Verlages kaufte den Zeitungsverlag und gründete die Ostmärkische Zeitungs Ges.m.b.H.; sie wird alleinvertretungsberechtigter Gesellschafter, Dr. Leopold Winkler Verlagsdirektor./21/

Die Druckerei am Fleischmarkt überstand das Kriegsende und die Tage der Befreiung, von einem kleinen, bald gelöschten Brand abgesehen, unbeschadet. Aus dem Kreis der Angestellten bildete sich ein Fünferkomitee/22/, das sich bemühte, den Betrieb weiterzuführen. Mit den verlegerischen und kaufmännischen Agenden wurde von diesem Komitee Rudolf Prem (er war Prokurist des seinerzeitigen Steyrermühlkonzerns) betraut. Als öffentlicher Verwalter wurde Nationalratsabgeordneter und Minister a.D. Eduard Ludwig bestellt, der aber bereits Ende Juli durch den von der KPÖ vorgeschlagenen Emil Fuchs abgelöst wurde. (Fuchs war Verlagsdirektor des »Neuen Österreichs« und öffentlicher Verwalter des ehemaligen Zsolnay-, (ab 1945) Karl. H. Bischoff-Verlages. Diese Funktionen legte er zurück.) Im September bestellte das Staatsamt für Industrie. Gewerbe, Handel und Verkehr (Krauland-Ministerium), erneut über Vorschlag der KPÖ, Rudolf Georg Prem und Dr. Lothar Burghartdt zu öffentlichen Verwaltern des Ostmärkischen Zeitungs-Verlages. Wenige Tage nach der Befreiung Wiens war die Rote Armee in den Verlag eingezogen und druckte dort die »Österreichische Zeitung«, wenig später die Zeitung »Das Neue Österreich«./23/

Der Globus Verlag übernahm die Druckerei und auch den zum Steyrermühl Verlag gehörigen Tagblatt-Verlag, der 1923 gegründet worden war und in erster Linie Taschenbücher mit österreichischen Gesetzen, (Opern-)Textbücher und Sachbücher aus allen Lebensbereichen auflegte./24/ Weitergeführt wurden auch die dort erscheinenden Zeitungen »Nach der Arbeit« (UT: Illustrierte Wochenzeitung f. Garten, Siedlung u. Kleintierhaltung)/25/ und »Sport-Tagblatt«./26/

Das Tagblatt-Archiv

Der Pachtvertrag verpflichtete den Globus Verlag zur Weiterführung des Tagblatt-Archivs, das mit dem 1940 aufgebauten Archiv des Ostmärkischen Zeitungs-Verlages seine Fortsetzung fand./27/ Das Tagblatt-Archiv (auch Archiv des Neuen Wiener Tagblatts) umfasste Materialien ab 1867 und war in 20–30.000 Mappen untergebracht – allein 10.788 Mappen betrafen Personen – sowie die Nachschlagebibliothek. Welchen Umfang das Zeitungsbändearchiv und die Nachschlagebibliothek hatten, kann dem Verzeichnis der Archivbestände, aufgenommen nach dem Stand vom 31. Juli 1945 entnommen werden, das auf 185 einzeilig beschriebenen DIN-A4-Bögen die im Archiv vorhandenen Zeitungen und Bücher auflistet.

Im Archiv des Ostmärkischen Zeitungs-Verlages waren 1944 14 Personen mit der Auswertung von ca. 25 Zeitungen beschäftigt./28/

Das Schnittarchiv der »Österreichischen Volksstimme«

„Eines der besonders umfangreichen [Zeitungsarchive – W.W.] und für den täglichen Gebrauch effektivste [ist] das der ‘Volksstimme’. Von 1945 an hat man da ein Schlagwort-, ein Ausschnitt- und ein Bildarchiv von großer Vollständigkeit aufgebaut und hortet die österreichischen Tageszeitungen in Bänden. Reden von Staatsmännern kann man immer in vollem Umfang von sehr verschiedenen Standpunkten nachlesen, wo andere Archive etwa nur eben den Ausschnitt ablegen, der die Rede relativ vollständig wiedergibt. Hat man früher auch ausländische Tageszeitungen in Bänden gesammelt, so muss man nun darauf verzichten, und sich auch sonst ein wenig einschränken.“

Solche Elogen schrieben Helga Haupt und Franz Endler 1973 im Zentralorgan des österreichischen Kapitals »Die Presse«./29/ Dass knapp ein Vierteljahrhundert später der Leiter des Presse-Archivs in einem PR-Artikel/30/ selbiges als „das beste in Österreich“ hochstilisiert, mag neben seiner Unkenntnis des »Volksstimme«-Archivs auch daran gelegen haben, dass offensichtlich der Druck der Kommerzialisierung/31/ die Leitung dieser Einrichtung zwang, sich präsumtiven BenützerInnen entsprechend einzigartig darzustellen. Ob er wohl den erwähnten Artikel aus 1973 je gelesen hat?

Konzepte zur Weiterführung des bestehenden Archivs

Der Verfasser eines einschlägigen Konzepts (es stammt von Gustav Keyhl/32/ und datiert aus der 2. Hälfte 1945) skizziert zwei Varianten. Die große Variante sah eine Verselbständigung des bestehenden Archivs vor, das kommerziell geführt werden sollte und dann 18 MitarbeiterInnen benötigen würde/33/, die Minimalvariante sah sieben MitarbeiterInnen vor, mit denen aber das bisherige Archiv (gemeint war das des Ostmärkischen Zeitungs-Verlages) in seinem Umfang nicht weitergeführt werden könne. Den wichtigsten Aspekt sah er darin, das biographische Archiv fortzuführen, also jene Informationen, die unter dem Namen der jeweiligen Person abgelegt wurden. Die Ausschnitte wie bisher weiterzuführen wäre bei diesem Personalstand nicht möglich, doch könnten die Artikel indiziert werden, d.h. Artikelinhalte mit Schlagwörtern versehen, die auf Karteikärtchen erfasst durch eine entsprechende Systematik zugänglich gemacht werden.

Diese eher pessimistische Einschätzung über die Möglichkeit der Betreibung des Schnittarchivs wird erst verständlich, wenn man weiß, wie zeitaufwendig der Arbeitsablauf damals angelegt war. Die aktuell geschnittenen Artikel wurden in ein gefaltetes Papier, das an der Vorderseite mit der entsprechenden Signatur versehen war, gegeben (mit einer Büroklammer dort fixiert) und dann in die entsprechende Mappe gelegt. Erst nach Ablauf einer gewissen Zeit wurden die Mappen mit diesen Artikeln erneut durchgesehen, Artikel ausgeschieden und der Rest dann auf ein Papier aufgeklebt und in Mappen abgelegt.

Keine der beiden Varianten kam zur Anwendung. Das Archiv wurde nicht kommerziell, nicht selbständig, aber umfassend wie möglich, weitergeführt – mit all den daraus erwachsenden Problemen, zu denen ein ständiger zeitlicher Rückstand beim Aufarbeiten der anfallenden Arbeiten gehörte, wie den vorhandenen Unterlagen entnommen werden kann. Doch davon weiter unten.

Anmerkungen zur Systematik in einem Archiv

Im ersten Artikel über das Globusarchiv/34/ hieß es, dass es verhältnismäßig einfach ist, Material über eine Person zu lesen, denn hier kann man, alphabetisch geordnet, die Ausschnitte in den jeweiligen Mappen sammeln. Kompliziert wird es , wenn es um Begriffe geht und nicht um Namen. Der Leiter des Archivs, Gustav Keyhl, war der Gesprächspartner und erklärte der Journalistin anhand der Synonyme von Bundesheer, Wehrmacht usw., worin die Problematik liegt, nämlich im Finden eines Systems, in dem alles seinen zugewiesenen (und manchmal auch logischen) Platz hat. Er kam darauf zu sprechen, dass man zu diesem Zweck einmal das dekadische System erfunden hat, das, weil durch 0 bis 9 begrenzt, dann mit Untergruppen (Unterbegriffen) hantieren muss, die auf die selbe Art und Weise strukturiert werden können.

„Damit man sich im Archiv in den verschiedensten Fächern auskennt, muss man eine neue, ganz eigenartige Sprache lernen. Leicht wird diese Sprache kaum sein, denn ich habe kein Wort verstanden. Eine Chiffrensprache ist es. Was glauben sie zum Beispiel, dass ein 4 HK bedeutet? ... 4 bedeutet einfach Wirtschaft – Gott wie einfach. Kein Mensch wäre darauf gekommen. H bedeutet Handel und K klein. Damit der harmlose Besucher des Archivs ganz verwirrt wird, benützt man außerdem römische, lateinische und arabische Ziffern, kleine und große Buchstaben. Und das nennt man mnemotechnische Hilfe.“

Die ebenfalls verwendeten kyrillischen und griechischen Buchstaben hat sie zu erwähnen vergessen. Aber die Verwirrung der Redakteurin, d.h. einer/eines Außenstehenden, ist gegenstandslos, denn mit solch einer Systematik kommt die Benützerin/der Benützer gewöhnlich nie in Berührung, nur wenn sie/er sich aus bestimmten Gründen (z.B. um sich vielleicht selbst, ausgehend von der Struktur, Überlegungen zu möglichen Fundorten ihrer/seiner gesuchten Dokumente zu machen) in die Systematik vertieft und versucht, die Zuordnungen der BearbeiterInnen von seinerzeit nachzuvollziehen. Es sind die ArchivmitarbeiterInnen, die normalerweise der Benützerin/dem Benützer das jeweilige Material in Form von Ordnern vorlegen./35/

Wozu eine Systematik?

Als Privatperson kann man durchaus mit Fragen der Systematisierung von Materialsammlungen in Berührung kommen. Wer privat bestimmte Dinge sammelt, tut dies, weil diese Objekte für ihn einen bestimmten (fast immer ideellen) Wert darstellen. Wer hat nicht, so er die Schwelle zum Zweitbuch überschritten hat, schon in seiner Bibliothek ein ganz bestimmtes Buch gesucht, von dem er weiß, dass er es besitzt und das, weil nicht verliehen, auch vorhanden sein sollte? Jeder kennt aus seinem privaten Bereich, dass gesammeltes Material (gleich welcher Provenienz, ob Briefmarken, Bücher, Kochrezepte, Dias, Fotos usw.) ab einem bestimmten Umfang, so man damit etwas anfangen (arbeiten) möchte, nach einer Strukturierung, d.h. einem Ordnungsprinzip verlangt, die/das es der Benützerin/dem Benützer ermöglicht einzelne Objekte zu finden. Ob die Zahl jener Menschen, die wenig Beziehung zu Ordnungsstrukturen haben, tatsächlich so groß ist, wie aus langjähriger Archivpraxis es den Anschein hat, muss unbeantwortet bleiben. Doch wenn eine/r zum gezielten Sammeln neigt, scheint auch eine Bereitschaft zum Ordnen dieser Sammelobjekte damit einherzugehen.

Bei Briefmarken z.B. wird es in den meisten Fällen, so weltweit gesammelt wird, eine Länderstruktur geben. Doch da man letztlich mehr als eine Marke pro Land hat, wird eine weitere Unterteilung (Hierarchisierung) notwendig. Das kann z.B. eine chronologische sein. Das ist aber nur eine Möglichkeit. Es ist auch vorstellbar, dass BriefmarkensammlerInnen nur Motive sammeln. Sammelt sie/er verschiedene Motive, werden die einzelnen Motive zur ersten Hierarchie, sammelt sie/er Tiere, werden die einzelnen Tierarten das Unterscheidungskriterium sein. Ob sie/er sich dann entschließt diese alphabetisch oder exakt nach den Kriterien der Morphologie zu ordnen, wird dann von ihren/seinen Kenntnissen abhängen.

Damit wäre schon die Notwendigkeit einer Systematisierung von Sammlungsgut umrissen. Egal ob es sich um eine kleine private Sammlung, um umfangreiche Ablage von Behörden oder letztendlich um Materialien handelt, die man in einer eigens dafür vorgesehenen Institution, nämlich in einem Archiv, aufbewahrt, diese Ansammlung von Archivgut verlangt nach einer Systematik, die das gesammelte Material zugänglich macht. Wie der/die BriefmarkensammlerIn bei Bedarf die Abbildung eines besonderen Schmetterlings findet, soll man in einem Archiv gerade das finden, wonach man sucht. Eine Systematik ist einerseits notwendig um das anfallende Material einzuordnen, andererseits erforderlich um etwas wieder aufzufinden.

Die Beschäftigung mit Ordnungsprinzipien, durch die ein Bibliotheks- oder Archivbestand erschlossen wird, reichen weit zurück. War es in der österreichisch-ungarischen Monarchie die Regelung der Behördenbürokratie unter Maria Theresia, die eine Büroordnung und damit die Einführung einer bestimmten Systematik erwirkte (in deren Gefolge die zentralen Archive in Österreich entstanden), entwickelte man in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts die sogenannte Dezimalklassifikation, der die Überlegung zugrunde lag, alles, was es auf dieser Erde gibt, in ein Zahlensystem einzuordnen. Da wir bekanntlich ein dekadisches Zahlensystem haben, bildeten die Ziffern 0–9 das Grundgerüst dieser Systematik. Auch die weiteren Unterteilungen unterlagen diesem Zwang. Die Welt wurde sozusagen in 10 Bereiche strukturiert, die dann jeweils ihre weitere Differenzierung erhielten. Die Ziffer 6 steht in dieser Internationalen Dezimalklassifikation (DK) z.B. für den Bereich Medizin und Technik, 61 für Medizin, 617.7 für Augenheilkunde, 617.764 für Tränenapparat, usw. Es erinnert stark an manche wissenschaftliche Arbeiten oder Fachbücher, die in so einer, man ist geneigt zu sagen, das Auge lähmenden Art, den Text mit nicht enden wollenden, monotonen Zahlenschlangen strukturieren statt mit ästhetisch weit anspruchsvolleren Schriftformatierungen./36/

Natürlich spielen die Ziffern bei fast allen Systematiken eine große Rolle, doch findet man ebenso häufig Kombinationen mit Buchstaben. Sie sind quasi, weil diese symbolisierend, das Bindeglied zur Sprache und bieten daher Möglichkeiten den beschreibenden Inhalt mit einem charakteristischen Buchstaben zu kennzeichnen./37/

Je nach Bedarf kann man, von einer ersten Hierarchieebene ausgehend, die eine grobe Strukturierung darstellt, immer weitere, feinere Differenzierungen vornehmen. Diese erste Ebene der Hierarchie kann entweder mit den Buchstaben des Alphabets (A, B, C, ...) oder mit den Ziffern (0–9) differenziert werden. Die nächste Ebene nimmt dann Ziffern oder Buchstaben usw. Diese Kombination aus Ziffern und Buchstaben bezeichnet man als alphanumerisches System.

Das bekannteste System, das kaum einer nicht kennt, ist die alphabetische Ordnung nach Buchstaben. Es wird z.B. in Bibliotheken verwendet, wo Bücher nach dem Namen der AutorInnen erschlossen oder Zeitungsartikel nach der Verfasserin/dem Verfasser abgelegt werden. Hier bildet die Abfolge der Buchstaben des Namens jeweils die Ebenen der Hierarchie. (Das klingt sehr einfach, aber man sollte nicht glauben, welche Schwierigkeiten das Alphabet bereitet, wenn sich die Differenzierungen erst beim 4. oder 5. Buchstaben ergeben, Buchstabenverdoppelungen auftreten usw.) Wesentlich komplizierter ist es aber Material nach seinem Inhalt zu strukturieren. Auf das Problem von mehreren Inhalten in einem Artikel sei hier nur hingewiesen.

Ein Schema ist, auch wenn es auf den ersten Blick nicht so scheinen mag, nie auf Dauer starr. Es ist immer auch ein Spiegel der jeweiligen Zeit und des Weltbildes des/der Betreiber, d.h. es unterliegt Veränderungen./38/ Es ist einsichtig, dass durch die Entwicklung in den verschiedensten Bereichen des Lebens (ob Politik, Kultur, Naturwissenschaften etc.) neue Begriffe und Themenkreise auftauchen, die einer vorhandenen Systematik zugeordnet werden müssen. Diese Tatsache führt zum Problem bei der Entwicklung einer Systematik, das darin besteht, nicht nur so offen zu sein, um Neues im System unterzubringen, sondern auch eine Ausgewogenheit an Zusammenfassung und Differenzierung zu finden. D.h., dass eine Systematik einerseits nicht in unüberschaubaren Schlagwortansammlungen atomisiert werden darf/39/, andererseits aber eine zu weit reichende Zusammenfassung von ähnlichen Inhalten nicht die Suche ganz bestimmter Aspekte verunmöglichen darf. Werden alle Inhalte in Schlagworte aufgelöst, gehen wichtige Zusammenhänge verloren, werden zu viele Inhalte unter ein Gebiet zusammengefasst, steht das Auffinden des Gesuchten in keinem Verhältnis zu der dazu notwendigen Zeit. (Diese Überlegungen gehen von einem herkömmlichen Archiv aus der Zeit ohne PC aus; womit keinesfalls gesagt sein soll, dass der Einsatz eines PCs diese Probleme obsolet macht.)

Systematik eines Zeitungsarchivs

Die Frage der Systematik spielt vor allem bei solchen Dokumentationen eine große Rolle, wo es darum geht, Material (in einem Zeitungsausschnittearchiv sind dies eben ausgeschnittene Artikel) mit den unterschiedlichsten Inhalten so zu strukturieren, dass nicht nur ein Auffinden eines gewünschten Inhalts schnell (das ist für ein Zeitungsarchiv wichtig) möglich ist, sondern auch eine zeitsparende Indizierung (darunter wird jener Vorgang bezeichnet, bei dem ein Sachbearbeiter einem gelesenen Artikel einen bestimmten Platz in der Systematik zuordnet und diesen durch die entsprechende Signatur am Artikel kennzeichnet) und damit die Einordnung in das System durch den Bearbeiter erfolgen kann.

Simpel ist die Ordnung von Artikel zu Personen, denn da liegt deren alphabetische Ordnung auf der Hand. Schwieriger wird es bei allen anderen Bereichen, denn, wie auch in den Überlegungen über ein Konzept der Weiterführung des Schnittarchivs ersichtlich wird:

„Soll dieses Ausschnittarchiv seine Aufgabe erfüllen, so soll es erstens möglichst vollständig sein. Diese Forderung wäre am leichtesten zu erfüllen, wenn man einfach sämtliche Artikel und Notizen ausschneiden würde. Diese Forderung würde aber bald das Archiv unmäßig anschwellen lassen und außerdem eine große Anzahl von Arbeitskräften erfordern, derzeit mindestens 10 für das Schnittarchiv allein. Dabei müssten viele, ja fast alle längeren Artikel doppelt oder dreifach ausgeschnitten werden, weil sie ja unter den verschiedensten Gesichtspunkten eingereiht, aber auch gesucht werden könnten.“/40/

Die Systematik des Tagblatt-Archivs

Die Systematik des Tagblatt-Archivs/41/ bestand 1945 aus vier Hauptgruppen:
1. Biographische Mappen (alphabetisch geordnet), in denen z.B. auch die vom biographischen Presseinstitut in Dresden (Würzinger) erstellten Lebensläufe abgelegt wurden.
2. Allgemeine Inhalte international; hier auch die Ländermappen (mit Ausnahme der Länder des Südostens; s. Pkt. 4); wirtschaftliche und kulturelle Inhalte; Stichwortmappen (zu den Themen: Abenteuer, Edelsteine, zoologische Gärten, medizinische Fragen, usw.)
3. Wien betreffende Inhalte.
4. Länder des Südostens.

Die unter Pkt. 2 angeführten Inhalte trugen die Signatur römisch „II“. Dieser Signatur folgte in der 1. Hierarchie eine Ziffer. Ein Schrägstrich, dem eine weitere Ziffer folgte, stellte die nächst untere Ebene dar.

Als Beispiel:
67 Deutsche Innenpolitik und Verwaltung:
67/1 Reichsverfassung, Entwicklung zum Einheitsstaat
67/2 Allg. Verwaltungsfragen
67/3 Partei und Staat, Die Reichsstatthalter
67/4 Gliederung und Organisation der Verwaltung
67/5 Verwaltungsgerichtsbarkeit
67/6 Verwaltungsakademien
67/7 Beamtentum (Dienstrecht, Stellung, Besoldung)
67/8 Reichsbürgergesetz (Ein- u. Ausbürgerungen)
67/9 Flaggen, Rangabzeichen, Orden, Ehrenzeichen
67/10 Deutsche Innenpolitik./42/

Ein Verzeichnis der Archivbestände vom 31. Juli 1945 listet 9.000 biographische Mappen, 2.750 Mappen zu diversen Sachgebieten und 80 Pakete unverarbeitetes Material auf. 1945 bestand die Notwendigkeit die bisherige Systematik radikal umzustellen. Die geschichtlichen Veränderungen forderten auch Änderungen im Schnittarchiv. Aus der Ostmark ist wieder ein selbständiges Österreich geworden. Dem trug die Einführung der Signatur „Oe“, die alle Inhalte zu Österreich zusammenfasste, Rechnung. Wien wurde ein Teil der neuen Signatur „Oe“, die biographischen Mappen (Sig. römisch „I“) wurden weitergeführt, ebenso die allgemeinen Inhalte und die Ländermappen./43/

1947–1984: Die Adaptionen in der Systematik

Es stellte sich aber bald heraus, dass diese vorhandene Systematik nicht den gesteigerten Anforderungen entsprach, und so machte man sich Gedanken, in welche Richtung Veränderungen vorgenommen werden konnten. Man war sich bewusst, dass man eine Systematik in einem bestehenden Archiv genauso wenig radikal ändern kann, „wie die Spurweite der Eisenbahn“. Der Sammlungsanspruch war, auch wenn es übertrieben klingen mag, universell. Von der Mikrobe (z.B. war unter der Signatur II/Ba der Themenbereich Bakteriologie, unter II/Bh Haus- oder Luxustiere zu finden) bis zum Universum (II/67 war Astronomie) wurden Artikel abgelegt. Selbstverständlich lag der Schwerpunkt bei der Politik, doch auch die Anforderungen einer Beilagenredaktion mussten abgedeckt werden – dort wurden eben auch Details aus der österreichischen Geschichte benötigt oder Informationen über technische Bauwerke usw.; die Kulturredaktion wollte beispielsweise wissen, wie denn die Premiere in diesem oder jenem Kellertheater seinerzeit besprochen worden war, oder brauchte Unterlagen für den Nachruf auf einen verstorbenen Künstler.

Was das Globus-Archiv von anderen Zeitungsarchiven unterschied, war die Bandbreite der abgelegten Artikel. Ein Ereignis wurde nicht nur durch die Ablage eines Artikels aus der »Österreichischen Volksstimme« dokumentiert, sondern selbstverständlich auch durch jene der anderen überregionalen Tageszeitungen in Österreich; kein anderes Zeitungsarchiv in Österreich kann für den Zeitraum 1945 bis Ende der 60er-Jahre solche Informationen bieten.

Die Änderungen im Schema bauten auf den vorhandenen Strukturen auf, übernahmen deren Hauptsäulen. Die römische „I“ stand immer für die Kennzeichnung von biographischen Artikel, die bis 1959 noch in „IB“ (bildende Künstler, Architekten), „ID“ (Schauspieler, Regisseure, Sänger), „IL“ (Schriftsteller, Wissenschafter), „IM“ (Musiker), „IN“ (Nobelpreisträger), „IT“ (Tänzer, auch Eistänzer) unterteilt und dann zusammengeführt wurden. Sie blieben ein wichtiger Teil der Archivstruktur und beinhalten Informationen zu mehreren Zehntausend Personen, wobei das Material bei manchen mehrere Ordner umfasst. Unter „IS“ wurden Artikel zu bestimmten Stichworten nach dem Alphabet gesammelt. Diese wurden sukzessive ausgebaut und nahmen neben typischen Beilagenthemen für Zeitungen auch Inhalte auf, für die man in der Systematik keinen befriedigenden Platz fand oder wo man meinte, dass sie geschlossen greifbar sein sollten. Fand man unter dem Buchstaben „A“ anfänglich die Stichworte: Allerheiligen, Allerseelen, Atlantik, Aquitania, Alter-Verjüngung, Arche Noah, gab es bald die Ergänzungen „Art-Club, Augen/Brillen, Autobahn, Atlantis“.

Die anderen Hauptgruppen waren: Allgemeines (Sig. römisch „II“), mit der Unterteilung:
II/1        Internationale Behörden, UNO
II/2        Internationale Politik
II/3        Internationale Politik, Zwischenstaatliche Beziehungen
II/4        Wirtschaft
II/5        Kultur (Kunst, Wissenschaft, Sport, Spiel)
II/6        Religion, Geographie, Geschichte
II/7        Soziales
II/8        Kriminalwesen, Sonstiges
Artikel zu Österreich
Artikel zu den Bundesländern
Artikel zu den Ländern der Welt
Artikel zum Thema Frieden
Stichworte

Die erste Hierarchie bei Allgemein, Österreich und den Bundesländern bildeten wieder die Ziffern 1–9, wobei die „9“ bei Österreich dem Bundesland Wien als Signatur vorbehalten war. Die Materialien, die einzelne Länder betrafen, wurden in ein jeweiliges Länderschema eingeordnet, wobei kleine Länder lediglich zwei Unterteilungen aufwiesen./44/ Die nächste Stufe sah dann einen Vierteiler vor /45/, dem der Achtteiler folgte./46/ Wichtige Länder wurden mit dem sogenannten Großteiler strukturiert./47/

Dieses System wurde bis 31.12.1967 (mit zahlreichen Veränderungen, d.h. es wurden Signaturen aufgelassen oder neue Zuordnungen getroffen) beibehalten.

Zu diesem Zeitpunkt stieß das Archiv nicht nur wieder an seine räumlichen Grenzen, sondern es wurden auch wieder Forderungen nach Reduktion des Aufwandes fürs Archiv formuliert. Den mit dem Archiv befassten Leuten war bereits klar geworden, dass in diesem Zusammenhang das vorhandene Chiffrensystem neu gestaltet, d.h. eingeschränkt werden musste. Von den seinerzeit beschäftigten neun Mitarbeitern waren Ende der 60er-Jahre nur mehr sechs im Archiv beschäftigt, die von der zu leistenden Arbeit so überfordert waren, dass sich ein Rückstand von zwei Jahren aufgebaut hatte, der nur durch die Hinzuziehung von zwei freiwilligen Mitarbeitern bis Frühjahr 1969 abgearbeitet werden konnte. Ab 1.1.1968 fand sowohl eine personelle Einschränkung des Archivs als auch eine des Umfangs des indizierten Materials statt. Ähnliches passierte auch Anfang der 80er-Jahre, wo es einen eben solchen Rückstau gab, der abgearbeitet werden musste (aber nicht durch zusätzliche Arbeitskräfte, sondern durch das vorhandene Personal)./48/

Vor den geplanten Veränderungen besichtigten Archivmitarbeiter zur Entscheidungsfindung das seit 1964 existierende Archiv der »Arbeiterzeitung« und stellten fest, dass es dort vier Mitarbeiter gab, die lediglich die »Arbeiterzeitung« vollständig und andere Zeitungen sehr selektiv indizierten, d.h. Karteikarten mit Stichworten anlegten. „Es gibt nur sehr wenig Schnittmaterial“, hielt man fest. Auch im Ausland, d.h. im Archiv der »l’Humanité« der KPF, hat man sich umgesehen. Dort wären, so der Bericht, fünf Personen beschäftigt, die nur für die Zeitung arbeiten würden. Auch die weiteren Ausführungen zeigen, dass man nicht allzu viele Schlussfolgerungen für das eigene Archiv ziehen konnte.

Die Systematik wurde damals verschlankt, wie man heute sagen würde. Das Grundprinzip und das Grundgerüst wurde beibehalten.

In seiner letzten Darstellung des Archiv-Ist-Zustandes, schrieb Anfang 1968 G. Keyhl, dass man seit dem 1.1. mit „eingeschränkter Arbeitskraft“ arbeitet und in den kommenden Jahren auf vier Personen kommen möchte (einschließlich der Betreuung der Bibliothek und des Bildarchivs). Es war bereits die Zeit, wo man von „Informationsspeicher“, von „arbeitssparenden Maschinen“ und „Automatisierung“ und von „Lochkartenanlagen“ sprach. In Keyhls Einschätzung wird schon das deutlich, was sich auch in den kommenden zwei Jahrzehnten als Illusion herausgestellt hat; nämlich das papierlose Archiv. Was hat es denn für einen Sinn, schrieb er damals, wenn man dann dem Redakteur als Recherche in den indizierten und auf Lochkarten abgespeicherten Daten eine Liste mit Hinweisen auf die unterschiedlichsten Quellen gibt, die er sich dann mühsam aus den Zeitungsbänden heraussuchen muss./49/

Er kommt auf die Problematik zu sprechen, die sich einerseits aus den von der Partei gestellten Anforderungen ergibt und andererseits aus deren Vorstellung, man käme ohne Archiv aus. Die Ahnungslosigkeit der zuständigen Parteigremien in diesen Fragen wird hier deutlich. Man schlug vor nur mehr die wichtigen Meldungen auszuschneiden, doch, so fragte Keyhl, was hat das für einen Sinn, solches Material wird z.B. vom Keesing Archiv geliefert, zwar verspätet, aber doch. Wichtig wäre, dass solche Informationen gespeichert werden, deren Beschaffung schwierig ist, d.h. die nicht in Nachschlagewerken oder Bibliotheken verfügbar sind. Doch auf das Standbein des Personenarchivs kann auch weiterhin nicht verzichtet werden. Die Resignation in diesem Schriftstück ist nicht zu überlesen.

Mit dem Ausscheiden des seit 1945 tätigen Archivleiters Gustav Keyhl verlor das Archiv einen profunden Kenner der Materie, vor allem einen Mitarbeiter, der seit Anbeginn mitgewirkt hatte. Sein langjähriger Stellvertreter Herbert Kwapil schied bald danach aus. Solche personellen Brüche haben in einem Archiv natürlich ihre Auswirkungen, auch wenn andere Kräfte die Möglichkeit hatten sich einzuarbeiten. Viel Wissen um Zusammenhänge, das es nur in den Köpfen dieser Menschen gibt, ist dann nicht mehr vorhanden.

Die Überlegungen zur Umgestaltung des Archivs fanden in einem siebenseitigen Bericht ihren Niederschlag./50/ In dem Papier wird auch erläutert, welche Arbeiten weiterhin vom Archiv durchgeführt werden sollen. Sehr praxisfern wird von „selektiver Indizierung“ gesprochen, wobei die Schwerpunkte auf Innen- und Außenpolitik, Wirtschaftsfragen, Betrieben, sozialen Fragen, Finanzfragen, Biographien und Kommunalem liegen sollen. Chronikale Ereignisse sind, nur wenn sie bedeutend sind, zu berücksichtigen; Kultur und Sport nur in seiner politischen Dimension, also keine Theater- oder Filmbesprechungen; Radio und Fernsehen ebenfalls nur in seinen politischen und finanziellen Aspekten.

Praxisfern war das aus dem einfachen Grund, weil sich Anfragen an das Archiv nicht an die nicht definierbaren selektiven Kriterien halten, sondern davon ausgehen, dass die gestellte Anfrage nicht etwas Besonderes ist, sondern etwas, was das Archiv auf jeden Fall beantworten können muss.

Per 1.1.1968 übernahm Walter Mörixbauer, der seit 1960 im Archiv beschäftigt war, dessen Leitung, schied aber bereits Ende 1969 aus dem Archiv aus. Sein Nachfolger wurde Alois Kihs, der als Mitarbeiter der Wiener Stadtleitung erst 1968 ins Archiv wechselte. Krankheitshalber beendete er 1978 seine Tätigkeit, die nun von der seit 1961 im Archiv tätigen Anna Nozicka übernommen wurde, die diese Funktion bis 1986 ausübte.

1984 wurde die ZK-Abteilung Dokumentation geschaffen, der das Schnittarchiv zugeordnet wurde.

Der letzte Einschnitt in der Systematik fand 1984 statt, als versucht wurde die innere Logik der vorhandenen Systematik durchgängig anzuwenden. So wurde Wien nun nicht mehr mit der Ziffer 9 signiert, sondern wie die anderen Bundesländer mit den beiden Anfangsbuchstaben. Die dadurch frei gewordene Ziffer konnte nun für den immer wichtiger werdenden Bereich Umwelt verwendet werden.

Am 1.3.1991 erschien die letzte Ausgabe der Tageszeitung »Volksstimme«. Zwar brachte die KPÖ mit der Wochenzeitung »Salto« weiterhin eine Zeitung heraus, doch kam man zur Einschätzung, dass künftighin kein Schnittarchiv mehr notwendig sei, man sich die gebrauchten Informationen über die neuen elektronischen Medien erschließen kann. Im September 1991 wurde die Tätigkeit im Zeitungsschnittarchiv (einschließlich des Bildarchivs) eingestellt./51/

Der Alltag des Schnittarchivs nach 1945

Die ersten überlieferten Hinweise auf die Tätigkeit des Globus-Archivs (es nannte sich in den Tagen dieser Übergangsphase noch Archiv des Ostmärkischen Zeitungs-Verlags; die Bezeichnung Ausschnittearchiv der Wiener Tageszeitungen findet sich Ende August; aus dem Jänner 1946 ist dann der Name Archiv Österreichische Volksstimme überliefert) sind Briefe vom 13.8.1945 an das »Österreichische Volksblatt« (ÖVP-Organ) mit der Bitte, die fehlenden ersten Nummern der Zeitung in je 4 Exemplaren dem Archiv zuzusenden. Ähnliche Schreiben wiederholen sich und waren auch an die Provinzausgaben der Zeitungen der KPÖ gerichtet./52/

Die Probleme dieses Neubeginns waren begleitet von den Auswirkungen der Mangelwirtschaft. So teilt die Archivleitung der Hausverwaltung im Februar 1946 mit, dass die im 5. Stock am Fleischmarkt durch das Archiv übernommenen Räume mit Beleuchtungskörper ausgestattet wurden, damit auch bei Dunkelheit gearbeitet werden kann. „Nun mussten wir feststellen, dass alle drei Glühlampen aus den Beleuchtungskörpern von unbekannten Tätern entwendet wurden.“ In der damaligen Zeit ein schwerer Schlag.

1947 hatte, wie einem Brief an die Direktion des Verlages zu entnehmen ist, das Archiv Räumlichkeiten im 5. Stock und an fünf anderen Stellen, vor allem im Keller, im ehemaligen Luftschutzraum. Diese Dislozierung erschwerte die Arbeit und an diesen Aufbewahrungsorten waren die Materialien „dem Verderb“ ausgesetzt. Daher ersuchte man: „Die Räumung dieser beiden Lager ist um so mehr notwendig, da besonders der Zutritt zum Luftschutzkeller nur sehr schwierig und mühsam über die im Vorraum gelagerten Papierrollen und Maschinenteile möglich ist. Außerdem wächst das Archivmaterial ja selbst dauernd und wird in absehbarer Zeit Ausdehnungsmöglichkeiten brauchen.“ Auch die mit fünf Wochenstunden quantifizierte Arbeitszeit, die durch die langen Gänge notwendig war, wurde ins Treffen geführt, um zwei frei werdende Räumlichkeiten zu bekommen, die dem Archiv unmittelbar benachbart waren.

Anfang 1948 urgiert die Archivleitung Schlüssel für den Aufzug im Haus Nr. 5 (am Fleischmarkt), da die körperbehinderten Angestellten im Archiv sich dann beim Transport von Zeitungsbänden aus dem Zeitungsbändearchiv im 1. Stock leichter tun würden.

Der Raum- bzw. Platzmangel ist ein ständiger Begleiter eines Archivs. Im März 1952 erging vom Archiv folgende schriftliche Stellungnahme: „Der zunehmende Anfall von Zeitungen, Zeitschriften und anderen Archivmaterialien belastet die bisher dem Archiv zugewiesenen Räume in übermäßigem Maße und macht das Aufsuchen von Materialien äußerst schwierig und zeitraubend. Trotz wiederholtem Ansuchens wurde dem Archiv eine Zuweisung weiterer hinreichender Räume verweigert. Die Archivleitung lehnt jede Verantwortung für mögliche Folgen aus der Überbelastung der Räume und Erschwerung der Sucharbeit hiermit ausdrücklich ab.“

Die Arbeitszeit im Archiv richtete sich immer nach den Erfordernissen der Zeitungsredaktion. 1949 mussten die ArchivmitarbeiterInnen zwischen 7.00 und 22.00 Uhr das Archiv besetzt halten, 1956 sogar zwischen 6.00 und 21.30 Uhr. Samstagsdienst war obligat, wenn auch im eingeschränkten Umfang. 1966 begann man um 11.00 Uhr und arbeitete bis 20.30 Uhr. Zuletzt (1991) hatte das Archiv von 9.00–17.00 Uhr, am Freitag von 9.00–15.30 Uhr, und am Samstag von 13.30 Uhr–15.30 Uhr geöffnet.

1946 arbeiteten im Archiv neun Personen und werteten die folgenden Zeitungen aus: »Österreichische Volksstimme«, »Österreichische Zeitung«, »Neues Österreich«, »Arbeiterzeitung«, »Das kleine Volksblatt«, »Wiener Zeitung«, »Wiener Kurier«, »Weltpresse«, »Die Woche«, »Nach der Arbeit«, »Stimme der Frau«, »Neue Zeit« (Linz), »Tiroler Neue Zeitung«, »Volkswille« (Klagenfurt), »Wahrheit« (Graz), »Tageszeitung« (Vorarlberg). Indiziert (d.h. schriftliche Verweise erstellt) wurden: »Österreichisches Tagebuch«, »Amtsblatt der Stadt Wien«, »Die Furche«, »Die Wiener Bühne«, »Österreichische Monatshefte«, »Plan“, »Die Presse«, »Wiener Revue«, »Akademische Rundschau«, »Österreichische Rundschau«, »Turm«, »Verkehr«, »Die österreichische Volkswirtschaft«, »Die Wirtschaft«, »Die Wirtschaftswoche«, »Wirtschaftsecho«, »Die Zukunft«, »Neue Zeit« (Moskau), »Bundesgesetzblatt«, »Weg und Ziel«, »Heute«; diverse Gewerkschaftsblätter, Jugendzeitungen, diverse Korrespondenzen. Es sollten laufend mehr werden.

Der Globus Verlag verstand sich als ein kommunistischer Betrieb und so gehörten soziale Vergünstigungen, die andere Betriebe nie hatten, von Anfang an zum Bestandteil seiner Tätigkeit. Frauen erhielten ab Februar 1946 im Globus Verlag einen freien Tag pro Monat (Urlaub ausgenommen) zugesprochen. Es war dies der sogenannte Wirtschaftstag. In der Neuregelung dieses Wirtschaftstages gewährte ab August 1948 der Globus Verlag folgenden Frauen einen Wirtschaftstag:

1. Verheirateten Frauen mit eigenem Haushalt;
2. Müttern mit Kindern unter vierzehn Jahren;
3. Alleinstehenden KZlerinnen und Naziopfern;
4. Ledigen und verwitweten Frauen über dreißig Jahre in eigenem Haushalt;
5. Wenn besonders berücksichtigenswerte soziale Gründe vorliegen ... über Antrag     des Betriebsrates ... auch anderen Frauen ...

Und da die Nachkriegszeit geprägt war von der Mangelwirtschaft, wird verständlich, dass 1946 MitarbeiterInnen Schuhe erhielten. So auch die des Archivs. In einer Anforderung des Archivs wurden der Direktion Namen und Schuhgröße übermittelt, auch Lebensmittelzusatzkarten kamen zur Verteilung.

Das ZK-Archiv

Der Wiederbeginn der legalen Tätigkeit der Partei im Jahr 1945 sah sie in der Position einer der drei demokratischen Parteien in Österreich, die im April 1945 die österreichische Unabhängigkeitserklärung unterzeichnet haben. Kommunisten waren Mandatsträger in den verschiedensten staatlichen Strukturen, waren in vielen gesellschaftlichen Vertretungskörperschaften; die KommunistInnen waren eine politische Kraft geworden, wie sie es in ihrer bisherigen Geschichte noch nie gewesen waren.

Somit stellte sich für die KPÖ sehr rasch die Frage nach Informationsbeschaffung, -speicherung und -aufbereitung. Nicht stellte sich für die KPÖ damals die Frage einer eigenen Einrichtung, die die Aufbewahrung der von ihr produzierten Parteimaterialien zum Ziele hatte. Das Bedürfnis nach einem Archiv, in dem Materialien für die laufende politische Arbeit der Mandatare und der FunktionärInnen aufbereitet werden sollte, wurde recht bald umgesetzt. Es war die Wirtschaftspolitische Abteilung beim ZK, die damit beauftragt wurde ein ZK-Archiv aufzubauen. Es war nicht gedacht, darin Parteimaterialien im engeren Sinn aufzubewahren, sondern es war eine Dokumentationsstelle, in der in breitester Form Informationen gesammelt wurden.

Aus den Sitzungsbeschlüssen der Wirtschaftspolitischen Abteilung des ZK der KPÖ am 13.9.1945 geht hervor: „Gen. Stein macht den Arbeitsplan für das Archiv und für die Benützung der Informationsquellen.“ Dem Protokoll über die Sitzung des Sekretariats des ZK vom 11.1.1946 ist zu entnehmen: „In einem zentralen Archiv sollen alle Materialien gesammelt und zusammengefasst werden. Das zentrale Archiv soll fallweise ein internes Bulletin über wichtige Fragen (Zusammenstellung von Material) herausgeben. Die Höhe der Auflage und der Verteilerschlüssel wird vom Sekretariat bestimmt. Leiter des Zentralarchivs ist der Gen. Stein Walter. Im zentralen Archiv sollen nicht mehr als 3 bis 4 Genossen bezw. Genossinnen inklusive der technischen Kräfte arbeiten.“ Eine realitätsfremde Vorstellung, denn die gestellten Ansprüche erforderten bald mehr als doppelt so viele Mitarbeiter.

Aus diesen beiden Hinweisen ist schon zu ersehen, dass man damals davon ausging, dass ein vom Zeitungsausschnittearchiv getrenntes Archiv, dessen Aufgabe es war, die politische Arbeit der KPÖ in allen Bereichen zu unterstützen, aufzubauen wäre./53/ Dessen Aufgabenstellung reichte von der Unterstützung der ReferentInnentätigkeit bis hin zur Gewährleistung der Arbeit der kommunistischen Parlamentsfraktion und der kommunistischen Wiener Landtagsfraktion, die, wie in einem Sekretariatsprotokoll des ZK vom 26.2.1946 zu lesen ist, „kein eigenes Zeitungsausschnittarchiv“ anlegen wird, „sondern alles derartiges Material in Sonderabteilungen im zentralen Archiv zusammenfassen“ wird.

Dieses Archiv war am jeweiligen Sitz des ZK (bis 1953 Wien 9, Wasagasse, bis 1956 Wien 4, Stalinplatz) untergebracht und wies 1949 neun Mitarbeiter auf. Es wurden nicht nur einschlägige Artikel indiziert und abgelegt, sondern auch die verschiedensten Bilanzen österreichischer Firmen analysiert und ausgewertet (so von Ernst Friedrich und später vom ehemaligen Sekretär des Ministers Karl Altmann, Kurt Weihs).

Mitte September 1956, als durch den Umzug ins neue Globushaus am Höchstädtplatz die Dislozierung von Redaktion und Parteizentrale ihr Ende gefunden hat, waren die Voraussetzungen gegeben um in einem Papier die Überlegungen zu einer Zusammenarbeit und Arbeitsteilung des ZK-Archivs und dem Archiv der Volksstimme (Schnittarchiv) festzuhalten. Man kam zum Ergebnis, dass die vollständige und alleinige Bearbeitung der Artikel über die österreichische Wirtschaft, österreichische Sozialpolitik und österreichische Gemeindepolitik durch das ZK-Archiv erfolgen soll. „Vollständig in den Bereich des »Volksstimme«-Archiv fällt Außenpolitik, Kultur, Kriminalität.“

Die Systematik des ZK-Archiv bis 31.12.1956

Für die erste Hierarchieebene bediente man sich des Alphabets von A-X. Die nächsten Ebenen wurden mit Ziffern und Kleinbuchstaben gebildet./54/ Die 1957 erfolgte Abgleichung mit dem »Volksstimme«-Schnittarchiv scheint zu größeren Kassationen geführt zu haben, obwohl sich immer wieder geschlossene Teilbereiche aus dem ZK-Archiv in den Ordnern des »Volksstimme«-Schnittarchivs (offensichtlich um die Lücken durch die Rückgabe des weitergeführten Tagblatt-Archivs an den Steyrermühl Verlages zu kompensieren) finden./55/

Im Archiv waren in den 50er- und 60er-Jahren Walter Stein, Edmund Fiala (1953–1964), Teddy Prager, Ernst Friedrich, Kurt Weihs u.a. tätig. Ab 1.1.1966 wurde das Schema des Wirtschafts- u. sozialpolitischen Archivs des ZK erneut modifiziert und die Unterteilungen der Hauptgruppen reduziert./56/

Damit verbunden war auch eine Reduktion der weiteren Differenzierungen. Die weiteren Einschränkungen der archivierten Materialien des durch die Wirtschaftspolitische Abteilung des ZK geführten Archivs endeten zuletzt damit, dass ihr Schwerpunkt bei Artikeln zur verstaatlichten und privaten Industrie (Sig. „41“) lag. Es wurde Industriearchiv genannt./57/

Der Weg zum Parteiarchiv

Die Überlegung, dass die Aufbewahrung von Materialien (Protokolle der zentralen Gremien und Abteilungen, Lebensläufe, Arbeitsberichte usw.) von der Org-Abteilung erfolgt, war nach 1945 so selbstverständlich, dass sich keinerlei Hinweise zur Schaffung eines eigenen Parteiarchivs finden. Das wird verständlich, wenn man berücksichtigt, dass ja kein altes, parteibezogenes Material vorhanden war, das eine von den aktuellen Materialien getrennte Aufbewahrung verlangt und eventuell zu solchen Überlegungen hätte führen können. Doch wird man wohl auch davon ausgehen müssen, dass in dieser Phase solche Überlegungen sehr weit weg von der politischen Alltagsrealität der Partei gewesen sind und ebenso die einschlägigen Qualifikationen gefehlt haben, die solche Fragen ins Bewusstsein rücken und vorantreiben hätten können.

Erst mit der Einsetzung der Historischen Kommission beim ZK der KPÖ sind Überlegungen zur Sammlung historischer, die Geschichte der KPÖ dokumentierender Materialien belegbar, die zur Schaffung eines Parteiarchivs im engeren Sinn führten. Nach dem Entwurf: Schema für Archiv der KPÖ wurde ab der Mitte der 60er-Jahre entsprechende Materialien ausgewertet. Dass dieses mit dem Staatsvertrag 1955 zeitlich eingegrenzte Schema keinen Bereich für Materialien der zentralen Parteiinstanzen nach 1945 aufwies, zeigt, dass zur Aufbewahrung dieser Materialien das projektierte Parteiarchiv weiterhin nicht vorgesehen war./58/

Dort sollten die nach 1945 von vielen GenossInnen der Partei übergebenen, die Geschichte der KPÖ und den Widerstandskampf betreffenden Materialien aufbewahrt und erschlossen werden. Ein zielgerichtetes Sammeln innerhalb der Partei(mitglieder) nach Dokumenten aus der Geschichte der Partei hat es vor 1957 nicht gegeben. Erst zu diesem Zeitpunkt, als sich der 40. Jahrestag der Gründung der KPÖ näherte, wurde der 1955 ins Leben gerufenen Historischen Kommission die Aufgabe gestellt, von Parteiveteranen Informationen zur Geschichte der KPÖ zu sammeln. Aufgrund der überlieferten Unterlagen muss gesagt werden, dass dieses Unterfangen in den Anfängen stecken geblieben ist, zwar eine Ausstellung gestaltet und verschiedenste Materialien zur Geschichte der KPÖ erstellt wurden, doch die Absicht nicht weiter umgesetzt wurde.

Als in den 60er-Jahre das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW) gegründet wurde/59/, schlossen das ZK der KPÖ und das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes einen Leihvertrag ab, aufgrund dessen die KPÖ zahlreiche Dokumente (in Form von Kopien) dem DÖW kostenlos (bis auf Widerruf) zur Verfügung stellte, das sich ihrerseits wiederum in diesem Vertrag verpflichtete im Gegenzug der KPÖ sie interessierende Materialien aus ihrem Archiv ebenfalls kostenlos (als Kopien) zur Verfügung zu stellen. Die überlassenen Materialien bestanden aus illegalen Zeitungen (im Speziellen aus dem Zeitraum 1934–1938), Dokumenten aus dem englischen und französischen Exil, NS-Materialien (wie Tagesrapporte, Gestapoberichte) u.a.m., im Umfang von mehreren Tausend Seiten. Der mit der Gründung des DÖW einhergehende und von der KPÖ unterstützte Aufruf zur Abgabe von Dokumenten aus dem Widerstandskampf veranlasste viele KommunistInnen solche Materialien nun dem DÖW und nicht dem Archiv der KPÖ zur Verfügung zu stellen.

In die Zeit der 60er-Jahre (in der das Archiv den Namen Parteigeschichtliches Archiv verwendete) fällt auch die erste große Übernahme von Dokumenten (in erster Linie von illegalen Materialien) aus dem IML/Moskau in Form von Mikrofilmen./60/ Diese Materialien bildeten den Grundstock für das Parteiarchiv, das der Historischen Kommission zugeordnet war. Vom ZK war immer auch der Leiter der Historischen Kommission für das Parteiarchiv zuständig (Friedl Fürnberg, Erwin Scharf, Ernst Wimmer, Josef Ehmer). Das Parteiarchiv wurde zuerst von Max Stern/61/ und zuletzt von Peter Hofer geführt./62/ Gemeinsam mit Gerti Schindel/63/ arbeitete letzterer an der Auswertung der Dokumente. Da Ende 1967 die für die Archivierung eingesetzte technische Kraft gestrichen wurde, der Archivleiter Max Stern die theoretische Zeitung »Weg und Ziel« machte und wegen anderer Belastungen nur mehr halbtägig für das Archiv arbeiten konnte, wandte man sich an Peter Hofer, der in der Folge die Arbeiten im Archiv halbtägig weiterführte und Sterns Nachfolger nach dessen Tod wurde. Schon damals wies Stern darauf hin, dass auch viel Material mit historischem Charakter im Schnittarchiv der Volksstimme abgelegt ist (vgl. Anm. 65), und dass es notwendig wäre, einschlägige Materialbestände aus den Archiven der Sowjetunion und der DDR in Form von Mikrofilmen zu beschaffen. Stern urgierte die Rückführung von umfangreichen Materialien, die nach 1955 aus Sicherheitsgründen ins Ausland verlagert worden waren. Es sollten noch zwanzig Jahre vergehen, bis diese tatsächlich rückgeführt wurden.

Um die Materialien zu erschließen wurden die Dokumente mit ihrem Titel (z.B. Urteil, Anklageschrift oder der Überschrift bei Flugblatttexten usw.) auf Karteikärtchen erfasst (die noch die Signatur der Schematik, das Jahr, den Standort und die Eingangsnummer trugen), die ihrerseits chronologisch geordnet waren. Eine zweite Erschließungshilfe bestand in der Auswertung der in diesen Materialien vorkommenden Namen. Es gab keinerlei Richtlinien oder Hilfestellungen der mit dem Sammeln und Auswerten der Dokumente befassten MitarbeiterInnen. Auch fehlten Kenntnisse über den Umgang und die Aufbewahrung der Materialien, von denen nicht wenige in Form von Originalen ins Archiv gelangten. Dieses Manko führte zu massiven Beschädigungen und teilweise zu Verlusten der Papierdokumente. (Z.B. durch ahnungslosen Einsatz von den in den 50er-Jahren aufgekommenen Selbstklebebändern, deren Kleber im Laufe der Zeit in das damit geklebte Papier eindrang und dessen Elastizität zerstörte, d.h. es brüchig machte. Das Trägermaterial löste sich in der Folge wieder vom Papier ab. Es waren dann nicht nur die damit behandelten Schadstelle sondern auch die in der Breite des Klebestreifens zusätzlich aufgetretenen Papierschädigungen vorhanden.)

Seitens der Partei hatte man auch weiterhin kein Interesse an einer qualifizierten Betreuung und Sammeltätigkeit. Es blieb subjektiven Entscheidungen Einzelner überlassen, ob dem Parteiarchiv Materialien zugeführt wurden./64/ Das Spektrum war breit und vor allem vom Zufall bestimmt. Nach wie vor gelangten keinerlei zentrale Materialien der KPÖ dorthin, fehlte in der Partei das Bewusstsein der Notwendigkeit der Sammlung solcher Dokumente an einem Ort. Es wurde in den als Parteiarchiv bezeichneten Räumlichkeiten das aufbewahrt, was irgendwie bei der Historischen Kommission landete, und zum Teil das, was sich nach Todesfällen von Funktionären in deren Schreibtischen fand. Ob es sich nun um Einzelnummern des Zentralorgans aus der Zeit der ersten Republik, »Die Rote Fahne«, um Flugblätter aus der Ersten Republik, um Sammlungen von Materialien aus den sowjetischen Kriegsgefangenenlagern handelte oder auch um aktuelle Betriebszeitungen./65/

Durch die Einrichtung der ZK-Abteilung Dokumentation im Mai 1984/66/ fiel die Leitung des Parteiarchivs in deren Zuständigkeit. Damit einher gingen Vorschläge über die Reorganisation des Parteiarchivs, die, so war die Absicht, zu einer vom ZK zu beschließenden Archivregelung führen sollte, die künftighin die Ablieferung zentraler und anderer Materialien nicht dem subjektiven Willen der jeweiligen Verantwortlichen überlassen sollte, sondern dafür eine Regelung vorsah. Diese Bemühungen führten trotz detailliert vorgelegter Überlegungen, die auch Fragen des Schutzes und der Zugänglichkeit beinhalteten, zu keinem Ergebnis. Statt eines Fortschritts passierte Ende 1989 das Gegenteil, hervorgerufen durch die erzwungene Räumung der vom Parteiarchiv bislang benutzten Räumlichkeiten. Gegen den Protest des Leiters wurden die Materialien in den Keller verlagert, und dem bis dahin Tätigen so die Arbeitsmöglichkeit entzogen.

Mit der Wahl von zwei neuen Parteivorsitzenden (Walter Silbermayr und Susanne Sohn) im Jänner 1990 (27. Parteitag) erfolgte auch eine Veränderung in der Leitung. An Stelle von Ernst Wimmer trat Josef Ehmer, der aber schon bald von dieser Funktion zurücktrat, heftige Angriffe gegen den Leiter des Archivs formulierte/67/ und in seinem Rücktrittsschreiben den Vorschlag machte, „große Teile des Archivs“ an wissenschaftliche Institutionen abzugeben, weil sich die KPÖ von derartigen Aufgaben radikal trennen sollte./68/

Im Oktober 1990 wurde im ZK-Plenum ein Papier vorgelegt, in dem im Zusammenhang mit der Aufarbeitung des Stalinismus davon gesprochen wurde, dass es im Archiv „große Unzugänglichkeit“ und „Fehlbestände“ geben würde./69/ Da diese Aussagen nicht das Ergebnis eines Gesprächs mit dem Archivleiter waren, stellte dieser dazu in einem Brief am 24.10.1990 klar, dass die gewählten Formulierungen den Eindruck vermittelten, als hätte es je in der Partei Regelungen über die Aufbewahrung von Parteidokumenten im Parteiarchiv gegeben. Das sei unrichtig und spiegelt nicht den realen Umgang seitens der Partei mit dem Archiv wider. Müßig sei es auch, von „Unzugänglichkeit“ zu sprechen, wenn von der Org-Abteilung ohne Rücksprache die sofortige Räumung der vom Archiv bis dahin benützten Zimmer exekutiert werde und auch keine Bereitschaft zur personellen Ausstattung dieses Archiv vorgesehen sei.

Im September 1991, dem Monat der Einstellung der Tätigkeit des Schnitt- u. Bildarchivs, erging dann an den Leiter die Aufforderung Überlegungen zur rechtlichen Verselbständigung des Parteiarchivs als wissenschaftliche Institution anzustellen. 1992 fiel die Entscheidung der KPÖ ihren Sitz am Höchstädtplatz zu verlassen und das Objekt einer anderen Nutzung zuzuführen. Diese Entscheidung machte Überlegungen zur Verlagerung der umfangreichen Archivbestände (ZK-Bibliothek, Schnittarchiv, Parteiarchiv und des in diesem Zeitraum vom Parteiarchiv übernommenen Globus-Archiv) notwendig, wobei man seitens der Partei die Absicht formulierte das »Volksstimme«-Schnittarchiv zu verkaufen.

Bildarchiv

Bilder stell(t)en seit dem Beginn der Fotografie quasi den sichtbaren Wahrheitsbeweis des Abgebildeten dar, doch lange fehlten die technischen Voraussetzungen sie auch in der Zeitungsproduktion einzusetzen. Wer jemals alte Zeitungen durchgeblättert hat, wird bemerkt haben, wie spärlich Fotos im Rotationsdruck verwendet wurden und welch miserable Qualität sie hatten. Das ist auch der Grund dafür, dass eigene, im Tiefdruckverfahren hergestellte, Bildzeitungen (so die »Wiener Bilder«, »Wiener Illustrierte«, die von Willi Münzenberg herausgegebene »Arbeiter-Illustrierte-Zeitung« in Deutschland, die ihr nachempfundene sozialdemokratische Zeitung »Kuckuck« in Österreich, oder nach 1945 die internationalen Journale, bei denen die Fotos eine wichtige Rolle spielten, wie »Time Life«, »Paris Match« etc) hergestellt wurden. Waren auch noch 1945 die Fotos in den Tageszeitungen spärlich, kann eine gesteigerte Verwendung von Jahr zu Jahr festgestellt werden. Waren es bis in die 60er-Jahre in erster Linie noch die herkömmlichen Papierabzüge, die von Fotografen und Agenturen der Redaktion zum Abdruck überlassen und im Bildarchiv aufbewahrt wurden, setzte um diese Zeit die Übermittlung von Fotos mittels Datenübertragung ein. In einem Tischgerät wurden die einlangenden Fotos in einem Nassverfahren entwickelt und ausgegeben. Die Qualität war gerade so, dass sie den damaligen Druckqualitäten im Zeitungsrotationsdruck entsprach. Diese vom Archiv aufbewahrten Abzüge wurden mit der Zeit unbrauchbar, weil der chemische Prozess der Entwicklung keinen Abschluss fand und im Laufe der Zeit das Bild unbrauchbar machte. Die Qualität des Zeitungspapiers war die Voraussetzung für eine Verbesserung der Fotoreproduktion. Die Funkbilder verbesserten sich bis in die 80er-Jahre ebenfalls und kamen den gestiegenen Sehgewohnheiten der KonsumentInnen entgegen. Es änderte sich damit einhergehend die Technik, so dass nun auch die Aufbewahrung über längere Zeiträume gewährleistet scheint.

1945 waren ca. 10.000 Fotos archiviert/70/, bis 1955 kamen ca. 50.000 dazu. Das Bildarchiv dürfte zum Zeitpunkt der Einstellung 1991 schätzungsweise einen Umfang von 300.000–400.000 Bilder erreicht haben. Allein zu ca. 27.000 Personen ist zumindest ein Foto (in der Regel aber mehr, bei manchen sind es Dutzende) im Bildarchiv zu finden. Aufbewahrt wurden die Fotos in Papiertaschen, die ihrerseits in Hängeregistern oder Ordnerhüllen dem Schema entsprechend zusammengefasst wurden.

Auch das Bildarchiv war von Anbeginn an durch eine Systematik erschlossen. Neben den Porträtfotos ermöglichte eine dem Schnittarchiv ähnelnde Systematik das Auffinden von Fotos, deren Spektrum von Mikroben bis zu Planeten und Galaxien reicht. Was zur Illustrierung einer Zeitung benötigt wurde, konnte mit hoher Wahrscheinlichkeit auch im Bildarchiv gefunden werden.

Im ältesten erhaltenen Plan des Photoarchivs gab es, gleich dem Schnittarchiv, ebenfalls die Gruppe der Sig. römisch „I“, wobei diese in „kulturell tätige Personen“ und in „Alle übrigen“ unterteilt war. Es gab, gleich dem Schnittarchiv, die Sig. römisch „II“, den Bestand der Fotos zu Österreich, den der Länder und eine Sammlung von Stichworten./71/

Ähnlich der notwendigen Strukturveränderungen im Schnittarchiv erfolgten solche auch im Bildarchiv. Differenziert wurde die Abteilung der Fotos aus dem Bereich der Wirtschaft/Industrie (4i), aber auch aus dem Bereich Verkehr. Er umfasste nun vom Flugverkehr, Eisenbahn, Schifffahrt bis hin zum Autofriedhof und Verkehrserziehung alles, was in diesem immer mehr an Bedeutung gewinnenden Lebensbereich vorstellbar war. Innerhalb der Sig. römisch „II“ wurden z.B. mit der Sig. römisch „IIr“ der sich entwickelnden Raumfahrt (interplanetare Raketen usw., aber auch Fliegende Untertassen) Rechnung getragen. Gab es zwar zwischen dem Schema des Schnittarchivs und dem des Bildarchivs große Ähnlichkeiten, wurde erst mit der letzten Veränderung 1984 eine Kompatibilität angestrebt, die auch von der Überlegung geleitet war, dass immer auch Mitarbeiter des Schnittarchivs das Bildarchiv mitbetreuen mussten.

Ein Foto ist letztendlich so brauchbar, wie es seine Beschriftung zulässt. Die Problematik der Beschriftung von Fotos (jeder kennt aus dem privaten Bereich, dass die wenigsten Fotos beschriftet sind, weil man meint, sowieso zu wissen, was auf dem Bild zu sehen ist) ist auch in einem Archiv anzutreffen. Es war vor und auch nach 1945 üblich auf die Rückseite der Fotos schmale, mit der Fotolegende versehene Zettel aufzukleben. Diese Zettel wurden meist nur punktuell angeklebt, was zur Folge hatte, dass durch die Manipulationen irgendwann ein Teil, oft auch der ganze Zettel abgerissen wurde und damit diese Information in Verlust geriet. Waren die Fotos direkt beschriftet, bestand keine Gefahr solch eines Verlustes. Bei den erwähnten Funkfotos war die Legende ein Bestandteil des Bildes und gab, so er nicht weggeschnitten wurde, über das Motiv Auskunft. Probleme bei der Direktbeschriftung entstanden, als das Papier durch Kunststoff als Trägermaterial der Fotos ersetzt wurde. Konnte das Papier mit Bleistift, Tinte und Kugelschreiber problemlos beschriftet werden, scheiterte man damit auf der Kunststoffoberfläche, die zwar eine Beschriftung mit Kugelschreiber ermöglichte, doch da dieses Material verhinderte, dass die Kugelschreiberflüssigkeit eindringen konnte, war das Geschriebene nicht vollkommen wischfest, übertrug sich oft auch auf die Fotoseite der anderen Fotos usw. Spezialstifte mit rasch flüchtigen (und damit schnell trocknenden) Flüssigkeiten boten hier Abhilfe. Zahlreichen Fotos im Archiv fehlt überhaupt eine genaue Beschriftung. Wenn das auch Ausfluss der begrenzten Zeitkapazitäten des immer nur mit einer Person geführten Bildarchivs war, so waren es andererseits auch die nicht in dieser Genauigkeit gestellten Anforderungen. So agierten die Bearbeiter wie mit Privatfotos und dachten nicht daran, dass Personen, die sie vielleicht auf den Fotos kannten, in relativ kurzer Zeit nicht mehr so leicht identifizierbar sein würden. Doch nicht nur fehlende Namen, sondern auch fehlende Datums- und Ortsangaben, Erläuterungen der abgebildeten Ereignisse etc., schränken den Gebrauchswert solcher Fotos erheblich ein.

Hilde Goldsand und Rosl Morche führte das Bildarchiv in den 50er- und 60er-Jahren. Mitte 1968 übernimmt Rosa Englisch das Bildarchiv, 1984 folgt ihr Renate Weinmüller, dann Andreas Wimmer und Andreas Ployer.

Das Bildarchiv unterstützte immer Ansuchen von Außenstehenden, die sich des reichen Angebots bedienen wollten; Buchverlage ebenso wie Privatpersonen, andere Zeitungsredaktionen oder das Fernsehen.

Durch die geringe eigene Kompetenz, war das Archiv immer nur ausführende Institution von Entscheidung, die von anderen Stellen (z.B. Redaktion) entschieden wurden. Dieses Bild einer sekundären Dienstleistungseinrichtung war auch ein Grund für die die Archivtätigkeit begleitenden Verluste von Fotos, die oft im Original weiterzugeben das Archiv angehalten wurde. Fotos wurden in den meisten Fällen von den Benützern als ein Gebrauchsobjekt angesehen, deren historischer Wert nur von wenigen begriffen wurde.

Im letzten Bestandjahrzehnt stieg die Benützung des Bildarchivs dramatisch an. Waren 1980 3.500 Entlehnungen zu verzeichnen, so waren es 1985 bereits 5.600, 1988 6.800 und 1990 5.100. Die Verluste an Fotos bewegte sich in den letzten Jahren zwischen 100–300 Fotos pro Jahr.

1956: Vom Fleischmarkt auf den Höchstädtplatz

Da der Pachtvertrag für die Druckerei am Fleischmarkt mit zehn Jahren begrenzt war, musste die KPÖ zu einer Entscheidung kommen, ob sie eine Verlängerung desselben oder den Neubau einer Druckerei anstreben sollte. Die Druckerei war technisch veraltet und auch das Raumangebot entsprach nicht den Erfordernissen einer effizienten Struktur. So fasste im Mai 1953 das ZK den Beschluss die Errichtung einer eigenen Druckerei in die Wege zu leiten./72/ Gleichzeitig wurde eine großangelegte Spendenaktion ins Leben gerufen (Bausteinaktion und Anteilscheine) um das Vorhaben zu realisieren. In einem Aufruf des ZK und der Redaktion hieß es: „Wir wollen unsere Volksstimme, der Partei, eine eigene große Druckerei im eigenen Haus errichten. Frei, im eigenen Haus, soll sie ihre große Aufgabe erfüllen, damit keine Kapitalsmacht und keine Regierungsschikane sie je behindern kann.“/73/ Die Entscheidung für den Neubau einer Druckerei fiel auf ein Grundstück im 20. Bezirk. Die Architekten Karl Eder, Margarete Schütte-Lihotzky, Wilhelm Schütte und Fritz Weber arbeiteten das Projekt für das Globushaus aus, das am 20.3.1954 mit dem Spatenstich zu bauen begonnen wurde (der faktische Aushub begann am 8.7.1954). Ende 1955 waren bereits die Druckmaschinen aufgestellt und hatten ihre Probeläufe absolviert. Die Zeitungsredaktion übersiedelte als letzte am 1.4.1956, es waren die Osterfeiertage, auf den Höchstädtplatz und produzierte die erste dort gedruckte Nummer der »Österreichischen Volksstimme«, die am 4.4.1956 erschien.

Da das Archiv am Fleischmarkt immense Dimensionen angenommen hatte, war eine Reduktion des Materialbestände unumgänglich. Dabei ging es nicht allein um das Schnittmaterial, sondern vordringlich um die als gebundene Zeitungsbände vorhandenen Bestände. Bis zu diesem Zeitpunkt wurden jährlich Zeitungen und Zeitschriften im Umfang von knapp über 220 Bänden aufbewahrt.

Im Oktober 1953 erstellte der Archivleiter G. Keyhl ein Bauprogramm für das Archiv/74/, worin er von 9–12 Beschäftigten ausging. Er forderte nicht nur die Nähe zu „allen Redaktionen“ – dies bezog sich darauf, dass zu diesem Zeitpunkt auch geplant war, dass auch die »Österreichische Zeitung« mitübersiedelt –, sondern eventuell sogar einen „Handaufzug“ zur Redaktion. Auf jeden Fall müsse das Archiv in der Nähe zum Aufzug sein, weil wahrscheinlich im Keller „Reserveräume zur Aufbewahrung“/75/ notwendig sein werden. Er forderte eine Archivanordnung auf zwei Stockwerken, die mit einer internen Treppe verbunden sein müsse. Für die Ordner des Schnittarchivs veranschlagte er 110 lfm Regale, für das Bild und Klischeearchiv/76/ einen Raum mit 16–20 m2. 1955, als der Rohbau am Höchstädtplatz im Fertigwerden war, teilte der Verlag dem Zentralkomitee den aktuellen Umfang des Archivs mit, wobei darauf verwiesen wurde, dass man den größten Teil des Zeitungsbändearchivs „zurücklassen“ müsse. Das 1945 übernommene und weitergeführte Ausschnittearchiv wurde dem Steyrermühl Verlag zurückgegeben./77/ Doch nicht nur die Frage der Reduktion war in diesem Zusammenhang zu lösen, sondern auch die Frage der Beseitigung der Doppelgleisigkeit durch die Existenz des ZK-Archivs. Im Herbst 1956 besprachen Walter Stein und Edmund Fiala vom ZK-Archiv sowie Gustav Keyhl und Herbert Kwapil vom »Volksstimme«-Archiv das Problem. (s. Kapitel Das ZK-Archiv).

Über die Praxis eines Schnittarchivs

Im zitierten Artikel über das Archiv aus dem Jahr 1949 wird über die mechanische Arbeit im Archiv wie folgt berichtet:

„Jede Wiener Tageszeitung wird sorgfältig zerschnitten und zerstückelt. Jede einzelne enthält ungefähr sechzig verschiedene Artikel. Politik, Kultur, Lokalnachrichten, Sport, und, na, Sie wissen ohnehin, was alles in Zeitungen steht. Die einzelnen Artikel werden also herausgeschnitten, mit Datum und Name der betreffenden Zeitung versehen, und dann kommen sie in die Briefformer.“

Gedruckte Quellen (in erster Linie Tages-, Wochenzeitungen, Monatszeitschriften; Berichte – bei der Wirtschaft Bilanzberichte, Firmenberichte usw. –; Jahrbücher usw., usf.) kamen (via Redaktion) ins Zeitungsarchiv und wurden dort von qualifizierten Bearbeitern nach verwertbaren Informationen durchgelesen und „indiziert“, d.h. mit einem Index (Signatur, auch Sigel genannt), dem Datum und dem Zeitungstitel versehen, d.h. gestempelt./78/ Diese wurden in der Nachkriegszeit wurden sie in den diversen Konzepten als Lektoren bezeichnet, die, so war damals die Forderung des spiritus rector, Gustav Keyhl, qualifizierte Journalisten sein müssen./79/

In einem zweiten Arbeitsgang wurden diese Artikel ausgeschnitten und entsprechend der vorhandenen Systematik grob-, dann feinsortiert. Bis 1947 wurden die so ausgeschnittenen Artikel in ein gefalztes Papier geklemmt, welches in der entsprechenden Mappe abgelegt wurde. Nach einiger Zeit, aber immer dann, wenn diese Mappe ihre Aufnahmekapazität erreicht hatte, wurden die Ausschnitte auf einen dünnen Karton geklebt und abgelegt.

Später entfiel dann diese Zwischenetappe der ungeklebten Ablage, und diese Artikel wurden sofort auf ein Blatt Papier geklebt/80/ und den bereits in der Systematik abgelegten Artikeln chronologisch zugeordnet. Statt Mappen waren das dann A4-Ordner./81/

Zur Stellung des Archivs

Das Zeitungsarchiv steht immer in einem nicht friktionsfreien Verhältnis zur jeweiligen Redaktion und deren RedakteurInnen. Es führt einen permanenten Kampf um Bereitstellung der Arbeitsmittel, Arbeitskapazitäten und nicht zuletzt um Anerkennung.

Redaktion und Archiv stellen wahrscheinlich nur in den seltensten Fällen eine Einheit Gleichberechtigter dar. Ganz offensichtlich genießt ein Archiv und dessen MitarbeiterInnen unter den RedakteurInnen kein hohes Ansehen. Der Hang nicht weniger RedakteurInnen zur (unbegründeten) Überheblichkeit und das Selbstverständnis vieler, in einer vermeintlichen Nachfahrenschaft zu Karl Kraus zu stehen, ist weit verbreitet. Die Gründe dieser Tatsache mögen mannigfach sein und sollen hier unerörtert bleiben, wenngleich der Verfasser der Ansicht ist, dass es sich hier auch um ein Wechselspiel handelt, das seinen Ausgangspunkt darin hat, dass dem Archiv von den es letztlich betreibenden Institutionen nicht der notwendige Stellenwert zuerkannt wird. Staub, dunkle Räume, mit hohen Dioptrien behaftete Brillenträger, die nie das finden, was die RedakteurInnen hier und sofort benötigen, weil das Manus schon lange in der Setzerei sein sollte, prägten die Vorstellungen. Stress versus Behäbigkeit schienen die Pole der Voreingenommenheit zu sein. Das nährte die Einschätzung, in einem Archiv werden sowieso nur wenig qualifizierte Arbeiten vollführt und dafür benötigt man keine besonders geschulten MitarbeiterInnen.

Obzwar es nicht erst heutzutage bekannt ist, dass die primäre Archivarbeit letztendlich eine der journalistischen Arbeit nicht weit entfernte Tätigkeit ist (nämlich in zumeist gedruckten Quellen Material herauszufiltern, das Grundlage für journalistische Detailrecherchen ermöglicht), wurde den leitenden Mitarbeitern des Globus-Archivs in keiner Phase der in anderen großen Archiven durchaus gewährte journalistische Status zugestanden, sondern lediglich der von redaktionellen Mitarbeitern, und der wurde zuletzt durch den Kollektivvertrag von Handelsangestellten ersetzt.

Ein weiterer Aspekt der Nachrangigkeit des Zeitungsarchivs resultierte aus der Tatsache, dass es ein Appendix der Redaktion und keine eigenständige Abteilung war. So war der Kampf um die – mit wenigen Ausnahmen – immer nur über die Redaktion (weil dort gelesen und durchgearbeitet) kommenden Materialien (Zeitungen und Zeitschriften) ein permanenter. Einerseits hatte das Archiv den Auftrag nach einem mit der Chefredaktion fixierten Plan Zeitungen und Zeitschriften zu indizieren, was aber andererseits beinhaltete diese Materialien auch tatsächlich aus der Redaktion zu bekommen. Was bei Tageszeitungen weniger Probleme machte, führte bei Wochen- oder Monatszeitschriften schon zu Komplikationen, weil hier die Möglichkeit des Verschwindens von oft nur in einem Exemplar vorhandenen Titel zu Verzögerungen beim Indizieren führte.

Ein Teil der Arbeitszeit der ArchivmitarbeiterInnen ging auf im Reklamieren von ausständigem Material, das in der Redaktion irgendwo auf einem Schreibtisch versickert ist, bevor es noch dem Archiv in Form von Ausschnitten einverleibt werden konnte.

Als Beispiel für das gespannte Verhältnis von RedakteurInnen und Archiv möge beispielhaft (und weil auch schriftlich dokumentiert) der Fall des Todes des Vorsitzenden des polnischen Staatsrates Aleksander Zawadski (wer kennt heute noch diesen Namen?) dienen, der die Redakteurin Eva P. Anfang August 1964 erneut zu einem geharnischten Brief an das ZK und das Archiv veranlasst hatte. Nach Zawadskis Tod (7.8.1964) wandte sie sich ans Archiv um Material über ihn zu bekommen. Dieses teilte ihr mit, dass sie nur ein paar kleinere Artikel über ihn haben. Das war ihr bei weitem zu wenig und hat sie so aufgebracht, dass sie daraus einen großen Vorwurf formulierte, man würde es im Archiv für überflüssig halten, „die Daten wenigstens der wichtigsten Staatsmänner der sozialistischen Länder zu haben und das auch noch seelenruhig“ zugeben, „als wäre es etwas völlig Normales.“ Doch das ist „bei Gott kein Kompliment für das Archiv und seine Arbeit“.

Sie verband das noch mit weiteren Attacken und Vorschlägen, wie man das besser machen könnte. Dieses Bedürfnis verspürte nicht nur sie, sondern auch andere Kollegen zu anderen Zeiten, die, wenn sie einmal länger nach dem von ihnen gewünschten Material suchen mussten, meinten, das bestehende System wäre schlecht, weil es nicht explizit auf ihre gerade akuten Bedürfnisse strukturiert wäre. Ein Denkfehler, der nicht wenigen BenützerInnen unterläuft, die nicht begreifen, dass die Effizienz eines Systems sich dann ergibt, wenn es in der Lage ist, die unterschiedlichsten Fragestellungen abzudecken, es also nicht darum geht, ein Stichwort z.B. über den gerade gewünschten Detailbereich zu haben, sondern über ein Inhaltsfeld, das auch andere Detailfragen eines Bereichs abdeckt und nicht nur den gerade gewünschten. (Auf die zumeist existierende Unmöglichkeit einer scharfen Thementrennung sei hier hingewiesen.)

Die Beantwortung dieses Schreibens zeigt uns, wie sehr diese Angriffe daneben lagen, denn, so der damalige Archivleiter, die »Volksstimme« brachte im Laufe von 19 Jahren keine sechs Zeilen über seine Person. Das auch das (bis zur Erkrankung Zawadskis auch noch biographische Daten sammelnde) Archiv des ZK nur „eine handgeschriebene Zeile“ abgelegt hatte. Sogar die außenpolitische Zeitschrift »Neue Zeit« aus Moskau erwähnte seine Ernennung zum Vorsitzenden des Staatsrates überhaupt nicht. „Wir haben wohl nur kleine Ausschnitte über Zawadski, aus denen immerhin hervorgeht: Geburtsjahr, Geburtsort, Jugend als Bergmann, illegale Tätigkeit, Verhaftung, wichtigste Ämter nach dem Krieg, und Stellungnahmen im politischen Leben 1956. Du hast nicht einmal einen Blick in das Material geworfen.“ Keyhl verwies auf seine 19jährige Tätigkeit für das Archiv und kommt zum Schluss: „Wenn nun, wie Du schriebst, Du und die meisten anderen Genossen der Volksstimme der Ansicht sind, das Archiv biete gänzlich unzulängliche Leistungen, so gibt es eine Möglichkeit dem abzuhelfen: nämlich mich zu entlassen und es mit jemand anderen zu versuchen. Wiederholt unerfreuliche Auftritte, die Du mit meinen Mitarbeitern hattest und die vielfach auch mich betrafen, lassen mir eine solche Lösung wünschenswert erscheinen.“

Dazu ist es nicht gekommen, denn Keyhl war ein überaus fachkundiger Archivar, über den lange nach seinem Tod ältere Redakteure noch voll Achtung sprachen.

Dieses Bewusstsein von einem Archiv führte auch dazu, dass selbiges zu einem Abschiebeort für Personen wurde, die man an anderen Arbeitsbereichen nicht mehr brauchte. (Es soll nicht unerwähnt bleiben, dass im Archiv auch immer körperlich Behinderte beschäftigt waren, deren Behinderung aber nicht als Reduktion der gesamten Archivleistung begriffen wurde, d.h. immer von soundsoviel Angestellten geredet, nicht aber gleichzeitig deren eingeschränkte Leistungsfähigkeit in Rechnung gestellt wurde.)

Wie wenig solch eine Geringschätzung nur ein Problem des hier behandelten Archivs ist, wird aus einer ganz anderen Ecke bestätigt. Im Zusammenhang eines recht eigenwillig agierenden österreichischen Diplomaten in Peking wurde seitens eines nicht unbekannten Journalisten gefordert: „Botschafter Ziegler – ins Archiv!“/82/ Wenn, wie aus dieser Forderung geschlossen werden kann, ein Archiv zum Sammelort für Personen wird, die man an anderen Plätzen nicht mehr haben will, tritt genau das ein, was Kritiker dem Archiv zum Vorwurf machen. Die Minderqualifikation führte unweigerlich auch zur Missachtung der dort Tätigen, die oft ihr Bestes gaben, aber trotzdem an den Anforderungen scheiterten, ja scheitern mussten. Diffamierungen waren keine Seltenheit, wenn der Frust der BenützerInnen an den ArchivmitarbeiterInnen abgearbeitet wurde.

ZK-Bibliothek

Über die Bibliothek des ZK wurden bislang keinerlei Aufzeichnungen oder Hinweise gefunden, wie sich diese nach 1945 entwickelt hat. Fest steht, dass sie, so wie das ZK-Archiv, von der wirtschaftspolitischen Abteilung geführt und von Elfriede Vorauer, Elisabeth Stoiber und bis Ende der 70er-Jahre von Vera Korniak betreut wurde. So ist nicht verwunderlich, dass das Schema der Bibliothek zahlreiche Ähnlichkeiten mit Signaturen des ZK-Archiv-Schemas aufweist, das von Walter Stein entworfen worden war. Die Bücher wurden durch einen Nominalkatalog (Autorenkatalog) und einen Sachkatalog erschlossen. Zahlreiche Bücher wurden von der aus dem Moskauer Exil zurückkehrenden Parteiführung mitgenommen und durch Neuanschaffungen laufend ergänzt. Umfangreich waren die laufenden Zugänge aus den sozialistischen Ländern, vor allem (neben Österreich) aus der Sowjetunion und der DDR lag. Auch aus England kamen Bücher der dortigen Bibliotheken der Freien Österreichischen Jugend in die ZK-Bibliothek, aber auch immer wieder Bände aus Privatbibliotheken, wie an vorhandenen Besitzersigeln ersichtlich ist. Erwähnenswert sind die Bücher von Otto Heller/83/, die wahrscheinlich von Angehörigen der französischen Emigration nach 1945 von Frankreich nach Wien gebracht worden sind. Später kamen ähnlich interessante Bücher, die z.T. in die Geschichte der Arbeiterbewegung des 19. Jahrhunderts zurückreichen, aus dem Nachlass von Leopold Hornik, Friedrich Hexmann, Eduard Rabofsky oder Erwin Scharf hinzu. Durch Bücher aus Nachlässen konnten immer wieder Bestandslücken geschlossen und andere Bereiche ergänzt werden.

Bis Ende der 60er-Jahre ist eine normale Bibliotheksführung ablesbar, nicht so in den 70er-Jahren, wo offensichtlich weder Interesse noch entsprechende Kompetenz bei den dafür zuständigen Personen vorhanden war, was aus den damals erschienen und in der Bibliothek nicht vorhandenen Titeln geschlossen werden kann, mit denen der Bestand aufgrund ihrer Thematik unbedingt hätte ergänzt werden müssen. Die Zuständigkeit lag zu diesem Zeitpunkt bereits bei der Chefredaktion der »Volksstimme«. Ende der 70er-Jahre wurde die Unbenützbarkeit der Bibliothek als störend empfunden und Schritte gesetzt das zu ändern. Der Bestand war auf ca. 40.000 Titel angestiegen und litt u.a. darunter, dass er an unterschiedlichen Stellen aufgestellt war. Zusätzlich hat man sich beim Aufbau dafür entschieden, die Titel nicht mechanisch, sondern nach Sachgebieten aufzustellen. Das schuf die bekannten Probleme, dass am Beginn der Bestückung der Regale mit Büchern nicht gesagt werden kann, wie schnell ein bestimmter Bereich anwächst, und man daher nicht weiß, wie viel Platz man für ein Gebiet im Regal freihalten muss. Logische Konsequenz ist, dass man dann ständig damit beschäftigt ist, Bücher umzuschlichten und in den Regalen zu verschieben. Ein weiteres Problem bringen die unterschiedlichen Buchgrößen mit sich. Da man die Regalhöhe nicht nach den größtmöglichen Büchern wählen wird können, sondern an der Durchschnittsgröße, ist es die Regel, dass dann eben ein Teil der Bücher zu hoch für das Regal sind und daher im Regal gelegt oder gar außerhalb der Systematik gelagert werden müssen, was allerhand Such- und Verreihungsprobleme beinhaltet.

Als 1979 mit der Reorganisation der ZKB begonnen wurde, hatte sie zum Ziel die Benützbarkeit wieder herzustellen, die Bibliothek von den zahlreichen Titeln zu befreien, die hier völlig deplaziert waren (in etwa: Die Probleme der Gewerkschaftszirkel in der äußeren Mongolei, und das auch noch in Russisch), und den laufenden Betrieb (Einbau, Aufstellung) massiv zu vereinfachen. In Anlehnung an DDR-Bibliothekssystematiken wurde das vorhandene Schema beendet und ein neues eingeführt. Der Einbau der verbliebenen alten und der der neuen Titel erfolgte nach der RAK (Regeln für die Alphabetische Katalogisierung). Die Bücher wurden jetzt mechanisch, d.h. nach dem Einlangen aufgestellt (Großformate extra). Bis zum Ende dieser Reorganisation (die 1989 unterbrochen wurden, weil dafür keine personellen Kapazitäten mehr vorhanden waren) wurden ca. 12 000 Titel neu erfasst.

Mit dem Einzug in die Räumlichkeiten der Drechslergasse standen moderne Mobilregale zur Verfügung, in denen die seinerzeit erfassten Titel und die aus den oben erwähnten Nachlässen dazugekommenen Bücher aufgestellt werden konnten, wenn auch letztere der Erfassung harren. Wenn bis 1989 die Bücher mittels Karteikärtchen (im internationalen Bibliotheksformat – davor auf DIN A6 Karteikärtchen) aufgenommen wurden, wird künftighin die Arbeit mittels Computer geschehen.

In der Phase der Verlagerung der Bibliothek kamen noch größere Buchbestände dazu. Zum einen die Walter Hollitscher Bibliothek, die im November 1989 im damaligen Marxistischen Zentrum in der Gudrunstraße (Wielandschule) aufgestellt, aber nach der Hausbesetzung und einem Kellerbrand aus Sicherheitsgründen von dort wieder abtransportiert wurde. Ebenso kam der Buchbestand des Globus Verlages, die Betriebsratsbibliothek des ZK der KPÖ und die Bücher der Gesellschaft Österreich-DDR hinzu.

Die Bestände des Parteiarchivs

Da ab 1990 große Bestände aus den verschiedensten Bereichen vom Parteiarchiv übernommen wurden, konnte die wenig befriedigende Dokumentenlage zu den obersten Parteigremien verbessert werden. So finden sich jetzt, mit wenigen Fehlstellen, die Protokolle des Zentralkomitees und die Beschlussprotokolle des Polbüros über einen größeren Zeitraum nach 1945. Auch wurden Bestände der Schiedskommission übernommen. Für das Nachkriegsjahrzehnt sind die umfangreichen Unterlagen zu den Parteitagen der KPÖ vorhanden, die nicht nur Auskunft über die gehaltenen Reden, sondern auch über die organisatorische Struktur der Partei, die damit einhergehend erhoben wurde, beinhalten. Sehr komplett sind die Materialien aus dem Bereich der Kommunistischen Jugend seit ihrer Gründung. Materialien von Kinderland Junge Garde, dem Kommunistischen Studentenverband (wobei die Materialien der ersten Jahre, obwohl seit seiner Gründung akribisch gesammelt, durch Desinteresse der Zuständigen bei den Studenten in Verlust geraten sind), vom Bund Kleiner Landwirte, Unterlagen verschiedener Landesorganisationen und von ZK-Abteilungen, über Landesparteikonferenzen und andere Parteiveranstaltungen sind nun im Parteiarchiv zu finden. Umfangreich sind auch die verschiedensten personenbezogenen Unterlagen, die oft wertvolle, in die Zeit der Gründung der KPÖ oder den Widerstand gegen den Nazifaschismus gehende Informationen enthalten.

Auch kamen vor allem in den letzten 10–15 Jahren Nachlässe von Parteimitgliedern in das Parteiarchiv. Die wohl bedeutendsten sind die von Walter Hollitscher und Eduard Rabofsky. Genannt seien hier aber auch der von Eva Priester, Erwin Scharf oder das umfangreiche, vom Spanienkämpfer Josef (Sepp) Gradl/84/ angelegte und bis zu seinem Tod betriebene Archiv der Vereinigung der österreichischen Spanienkämpfer, das zahlreiche Originaldokumente, viele Hunderte Fotos (die zum Teil in Form von Kopien in der Spaniensammlung des DÖW liegen) und die zahlreichen schriftlichen Erinnerungen von Spanienkämpfern, die die Grundlage des 1986 erschienenen Buches Österreicher im Spanischen Bürgerkrieg bildeten.

Im Laufe der Zeit kamen auch Traditionsfahnen ins ZPA, wobei die Originalfahne der 11. Internationalen Brigade wohl als das wertvollste Stück bezeichnet werden kann, die der Einheit von der Stadt Madrid übergeben worden war. Eine andere Fahne aus dem Spanischen Bürgerkrieg, die des 12. Februarbataillons, wurde bis Ende der 40er-Jahre noch bei den 1.-Mai-Aufmärschen mitgetragen, ist aber dann verschwunden und bis heute nicht mehr aufgetaucht. Wiedergefunden wurde hingegen eine Fahne der Moskauer Taxifahrer, die diese 1933 österreichischen Taxifahrern in Moskau übergeben hatten. Weil diese aber illegal dort waren, konnten sie die Fahne nicht mitnehmen. Gleichzeitig anwesende Franzosen nahmen die Fahne nach Paris mit und wollten sie den Österreichern geben, doch da kam der 12. Februar dazwischen. Also verblieb die Fahne in Frankreich, wurde sorgsam durch die Zeit der Nazibesetzung aufbewahrt, bis eine französische Gewerkschaftsdelegation, die 1953 anlässlich eines Kongresses des Weltgewerkschaftsbundes nach Wien gereist war, die Fahne endlich den Österreichern übergeben konnte. Danach fiel sie in Vergessenheit, lagerte in einem Paket verschnürt und unerkannt, überlebte Übersiedlungen und wurde erst Ende der 80er-Jahre wieder dem Paket entnommen und dem Archiv übergeben.

Das Archiv hat im letzten Jahrzehnt immer wieder verschiedenste museale Gegenstände übernommen. Darunter Bilder und Plastiken, die als sogenannte Parteitagsgeschenke von anderen Parteien der KPÖ übergeben wurden (viele dieser Geschenke waren in der Wielandschule, in Wien 10, gelagert und fielen der 1991 erfolgten Hausbesetzung zum Opfer); oder auch Abzeichen aus der Geschichte der Arbeiterbewegung, ob es sich nun um 1.-Mai-Abzeichen oder um jene der verschiedenen parteinahen Organisationen wie FÖJ, Kinderland, BDFÖ usw. handelt.

Von den im Archiv aufbewahrten Medien müssen auch die zahlreichen Filme, Schallplatten und Tonbänder genannt werden, die vereinzelt Bezüge zur Geschichte der KPÖ beinhalten.

Ein völlig unaufgearbeiteter Teil des ZPA ist die Plakatsammlung, wobei diese Bezeichnung den Anschein erweckt, als wäre hier kontinuierlich gesammelt und aufbewahrt worden. Leider war dem nicht so. Das, was jetzt ungeordnet (und noch immer in Transportkisten verpackt) gelagert ist, sind die Anfang der 80er-Jahre in den Kellern am Höchstädtplatz gefundenen, gerollten und in Säcken aufbewahrten Bestände. Wie komplett diese Sammlung ist, wird sich erst nach einer entsprechenden Aufarbeitung zeigen, bei der der digitale Fototechnik zum Einsatz kommen soll.

Von Archivbenützung, BenützerInnen und Verlusten

Ein Archiv funktioniert auf Dauer nur dann, wenn die darin aufbereiteten Materialien zugänglich sind. Sind sie entlehnt oder sind sie verreiht (ein Aspekt, der jedes Archiv betrifft und meist nur durch Zufall wieder berichtigt werden kann), d.h. werden entlehnte Materialien an einem falschen Platz eingeordnet, sinkt die Benützbarkeit und steigt der Arbeitsaufwand für die Suche. Anfänglich war es im Globus-Archiv möglich, dass Redakteure sich die Materialien aus dem Archiv mitnehmen konnten. Doch schon im April 1946 muss die Archivleitung ein Rundschreiben an alle ArchivbenützerInnen verfassen, worin zu lesen war:

„Eine Durchsicht der Entlehnungen hat ergeben, dass viele Mappen und andere Archivstücke seit Monaten ausgeborgt sind und nicht zurückgestellt werden. Es kommt vor, dass mancher Entlehner eine Archivsache verschließt und dann nicht erreichbar ist. Im Interesse der anderen Entlehner und zum Schutz heute meist nicht ersetzbarer Werte muss um größte Achtsamkeit gebeten werden.“

Man führte ein System der schriftlich fixierten Kontrolle ein, die auch bis zuletzt praktiziert wurde. Aus dem Entlehnbuch konnte man entnehmen, wer wann was entlehnt hatte. Wurden anfänglich auch einzelne Blätter aus Ordnern entliehen (was den Verlust derselben im Redaktionsalltag sozusagen beinhaltet hat), wurden zuletzt nur mehr komplette Ordner abgegeben, mit der Hoffnung, solch ein Ordner würde weniger leicht verschwinden. Dem Druck der BenützerInnen diese Materialien an ihren Arbeitsplatz oder gar mit nach Hause zu nehmen konnte das Archiv nie wirklich widerstehen.

Das Bildarchiv war selbstverständlich mit ähnlichen Problemen konfrontiert, die bis zu Zerstörung oder Verlust führen konnten. Im Juli 1949 wendete sich die Archivleitung an die Redaktion der »Stimme der Frau«, weil mit den vier von ihnen entliehenen Fotos Montagen vorgenommen wurden, die die Fotos beschädigt haben. „Die Archivleitung macht darauf aufmerksam, dass ein solches Verfahren sehr bald den Bestand an Bildern im Archiv wesentlich verringern würde und daher gänzlich zu unterlassen ist.“

Verlustreich war die Entlehnung von Fotos aus dem Bildarchiv, weil die Redakteure der verschiedenen Parteizeitungen (anfänglich kamen zu diesen noch die »Österreichische Zeitung«, »Neues Österreich« und befreundete Organisationen wie die FÖJ etc. dazu) sich in den wenigsten Fällen nur mit einem Motiv begnügten, sondern mehrere zur Auswahl mitnahmen. Und dann wanderten die Fotos von der Redaktion in die Druckerei oder gar an andere Interessenten. In den ersten Jahren nach 1945, als die Drucktechnik noch große Bildkontraste erforderte, wurden Fotos in der Chemigrafie oft massiv übermalt. Auf vielen Fotos sind die Spuren noch heute zu sehen, doch lassen sich diese leicht mit Wasser entfernen, so dass einer modernen Bildbearbeitung mit PC und Bildbearbeitungsprogramm nichts im Wege steht.

Die Verluste an Fotos konnten trotz Ausgabebeschränkung und intensiver Rückgabeforderungen bis zuletzt nicht im zweistelligen (!) Bereich (pro Jahr) gehalten werden. Dass aber beim Räumen des Höchstädtplatz auch jahrelang verschwundene Fotos in den diversen Abteilungen gefunden wurden, bestätigt die Feststellung, dass jene eine Ausnahme darstellen, die zu Archivmaterialien eine pflegliche Beziehung besitzen. Viele begreifen nicht, dass durch gegenteilige Handhabe sie selbst Opfer solchen Tuns werden können, wenn nämlich das fehlt, wonach sie suchen, was sie gerne vorgefunden hätten.

Die Materialien waren seitens der BenützerInnen auch anderen Unwägbarkeiten ausgesetzt. Zum heutigen Verständnis: In diesen nahezu vier Jahrzehnten nach 1945 waren moderne Vervielfältigungsmöglichkeiten, wie wir sie heute kennen, unbekannt. So auch in Redaktion und Archiv. Das Anfertigen von Kopien war erst um 1980 in diesen Bereichen eine Selbstverständlichkeit, gleichwohl es bereits zehn Jahre davor schon einen Kopierer im Archiv gab. Das Schnittarchiv war bis Ende der 60er-Jahre für Außenstehende nur in Ausnahmefällen zugänglich. Ansonst lehnte die Chefredaktion bzw. die Partei die Benützung ab. Erst in den 70er-Jahren wurden diese Einschränkungen gelockert, wurde nicht nur ausgewählten Interessenten, sondern auch interessierten StudentInnen und anderen Privatpersonen Einblick ins Schnittarchiv gewährt.

Nimmt man auch noch die Beziehungslosigkeit eines Großteils der BenützerInnen zu den gesammelten Materialien her, die für sie lediglich Arbeitsmaterialien von geringem Wert waren (so sie sie benützt hatten), wird verständlich, wenn auch nicht entschuldbar, dass Redakteure oft beleidigt waren, als ihre Ansinnen, aus gebundenen Zeitungen eine Seite oder Teile davon für eine aktuelle Produktion herauszuschneiden, abgelehnt wurden. Doch schon in den 40er-Jahren klagte das Archiv über diese Attacken auf das Archivgut, das dadurch unwiederbringlich verloren ging. Wie gestört oft das Verhältnis der Redakteure zu den ihnen zur Verfügung gestellten Materialien war, mag das Beispiel des Redakteurs Otto J. illustrieren, der aus einem Buch über den Februar 1934 Fotos herausschnitt, um sie der Druckerei für einen Artikel zur Verfügung zu stellen. Er war sehr erstaunt, als er aufgefordert wurde, für dieses Buch Ersatz zu leisten, tat es aber dann, nicht ohne dem Archiv mitzuteilen, dass er das Bibliotheks-Pickerl nicht gesehen hat. (Gemeint war damit der außen am Buch angebrachte kleine Zettel, auf dem in allen Bibliotheken nicht nur die Nummer des Buches, sondern auch der Eigentumsvermerk zu finden ist.)

Oder: Über viele Jahre wurde jene Mappe aus der Zeit 1945–1947 gesucht, in der sich die Ausschnitte zur KPÖ befanden. Der Entlehner, es war der ehemalige Chefredakteur der »Österreichischen Volksstimme« Erwin Zucker-Schilling, der bis zuletzt ein kleines Arbeitszimmer am Höchstädtplatz hatte, war der Entlehner, verneinte aber beharrlich diese Mappe zu haben. Nach seinem Tod fand sie sich dann unter zahlreichen anderen Materialien in seinem Zimmer.

Es muss nicht betont werden, dass dieses gestörte Verhältnis mancher BenützerInnen zum Archiv Quell unzähliger und leider oft vergeblicher Mahnungen war ausgeborgtes Material wieder dem Archiv (respektive Bücher der ZKB) zu retournieren. Wer z.B. Redaktionsschreibtische kennt, wird verstehen, dass die Wahrscheinlichkeit der Rückgabe mit der Dauer der Entlehnzeit sich asymptotisch gegen Null nähert. Doch vor Verlusten (was durchaus auch gezielte Diebstähle miteinschließt) ist ein Archiv kaum zu schützen, noch dazu, wenn es sich um den Typ eines Zeitungsarchivs handelt, das einen unmittelbaren Dienstleistungscharakter aufweist und sich viele der benützenden Journalisten und Funktionäre als etwas Besonders verstehen, deren Wünsche keinen Widerspruch dulden (oder die kraft ihrer Funktion eine Sonderstellung ableiten). Die, die für sich die unermesslichen Schätze eines Archivs erschließen konnten, wussten selbiges immer zu schätzen und traten dem Archiv und dessen MitarbeiterInnen mit der nötigen Achtung gegenüber.

Skartierungen

Es gibt kein Archiv, dass nicht mit Platzproblemen zu kämpfen hat. Die Konsequenz dieses in periodischen Abständen entstehenden Problems ist die Überlegung sich von altem Material zu trennen. Diese Vorgangsweise ist immer eine problematische Angelegenheit, weil dieser Entscheidung (zur Skartierung) eine fiktive Befragung des Archivs in der Zukunft  zugrunde gelegt werden muss. Und was irgendwann einmal wieder abgefragt werden wird, was erneut Informationswert erhält, kann nur mit sehr zweifelhafter Annäherung gesagt werden. Völlig unbedacht ist dann bei einem Zeitungsarchiv der Aspekt, dass zwar im Durchschnitt nach zwei Jahren der Informationswert für den journalistischen Gebrauch gegen Null tendiert, dass aber umgekehrt der historische Informationswert wieder ansteigt. Doch wann sich wer was aus historischem Interesse anschauen möchte, ist kaum kalkulierbar. Oft wird, ökonomisch argumentierend, gegen die Aufbewahrung entschieden.

Skartierungen sind immer mit Informationsverlust verbunden, oft mit gravierendem. Schon 1949 wird in dem schon mehrfach zitierten Artikel erwähnt, dass „die einzelnen Ausschnitte aller Wiener Tageszeitungen in einem Jahr ein normalgroßes Zimmer füllen würden. Damit man aber nicht riesengroße Magazine für die Zeitungsausschnitte bauen muss, wird das Material von Zeit zu Zeit gesichtet und eliminiert.“

Da aber dieses Ausscheiden von altem Material mit Arbeitsaufwand, auch mit fachlicher Qualifikation verbunden ist und nur in den wenigsten Fällen als kontinuierlicher Prozess exekutiert werden kann, fehlen dann im entscheidenden Augenblick immer die Kapazitäten zu dieser Tätigkeit. Die Folgen sind aus der Sicht des Archivars/der Archivarin bzw. des Historikers/der Historikerin oft katastrophal, denn es wird, ohne größere Differenzierung, Material en bloc vernichtet.

Die erste größere Skartierung im Globus-Archiv fand anlässlich der Übersiedlung vom Fleischmarkt in das neu errichtete Haus am Höchstädtplatz statt. Dazu wurden zwei Personen halbtägig angestellt, die in Heimarbeit Material ausmusterten. Verluste müssen auch für die 1957 erfolgte Zusammenlegung resp. Abgrenzung der Sammeltätigkeit zwischen dem ZK-Archiv und dem »Volksstimme«-Archiv angenommen werden.

Alfred Klahr Gesellschaft

Im November 1992 fiel die Entscheidung, dass das künftige Archiv in Wien 14, Drechslergasse 42, dem bisherigen Sitz der Organisation Kinderland Junge Garde und der Bezirksleitung der KPÖ Wien 14, untergebracht werden soll.

Massive Personalreduktionen, die Anfang 1993/85/ durchgeführt wurden und auch das Archiv betrafen, führten bei vielen älteren Genossen zur Angst, dass die wertvollen Sammlungen der Partei so oder so in Gefahr geraten könnten. Eine Initiative von Otto Brichacek/86/ formulierte einen Aufruf an den Bundesvorstand der KPÖ, in dem es u.a. hieß: „Unsere eigene Lebensgeschichte, unsere jahrzehntelange Verbundenheit mit der Partei einerseits, und unsere Kenntnis der in diesem Bereich geleisteten Arbeit andererseits verpflichten uns, den Bundesvorstand aufzufordern, die Existenz dieser weit über unsere Parteigrenzen hinausgehenden kulturhistorischen Archiv- Bibliotheks- u. Forschungseinrichtung zu sichern.“/87/

Der Bundesvorstand (Buvo) unterstrich in seiner Antwort, dass die Erhaltung des Parteiarchivs und der zentralen Bibliothek ein gemeinsames Ziel wäre und es die KPÖ nicht nur als ihre Verpflichtung gegenüber der Geschichte der Arbeiterbewegung ansieht, sondern auch als eine allgemeine kulturhistorische Verantwortung.

Ungeachtet dieser positiven Signale kam auch in diesem Fall das Unverständnis der Partei in Bezug auf die Führung eines Archivs zum Tragen. Diesmal in Form der Vorstellung, man könnte mit einer Halbtagskraft die Betreuung einer Einrichtung dieses Umfangs gewährleisten.

Überlegungen zur Errichtung einer Stiftung mussten aufgrund der finanziellen Rahmenbedingungen aufgegeben (aufgeschoben) werden und wurden durch die Vorbereitung der Gründung eines Vereins, der die Betreuung der Archiveinrichtungen übernehmen sollte, fortgesetzt./88/ Im August 1993 bestätigte der Buvo erneut das Konzept zur Gründung eines Vereins „und im weiteren einer Stiftung mit dem Namen Alfred Klahr Gesellschaft. Ihre Aufgabe soll es sein, die Archiv- u. Bibliotheksbestände der Kommunistischen Partei Österreichs als ein wichtiges nationales Kulturgut zu erfassen und zu erweitern, wissenschaftlich zu erschließen und aufzuarbeiten sowie der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, einen Beitrag zur weiteren Erforschung, kritischen und selbstkritischen Aufarbeitung der Geschichte der österreichischen Arbeiterbewegung und der KPÖ als deren Teil zu leisten.“/89/ Ein Proponentenkomitee/90/ beschäftigte sich mit der Ausarbeitung der Statuten und bereitete die Gründungsversammlung, die zum 75. Jahrestag der Gründung der KPÖ stattfinden sollte, vor. Diese Vorbereitungsarbeiten mündeten in die konstituierende Versammlung der Alfred Klahr Gesellschaft/91/ und der Wahl des Vorstandes./92/

Im Frühjahr 1995 waren die letzten Umbauarbeiten in der Drechslergasse beendet, so dass im Mai 1995 die ersten Kartons aus dem Zwischenlager am neuen Archivstandort angeliefert und ausgepackt werden konnten. Da der Versuch des Verkaufs des Schnittarchiv scheiterte, war es nur logisch, es nun wieder zugänglich zu machen. Doch die neu geschaffenen Raumkapazitäten waren dafür nicht vorgesehen. Durch den dadurch zusätzlich erforderlichen Platzbedarf entstanden Probleme bei der Aufstellung der anderen Teile der verschiedensten Sammlungen, die bis dato noch immer nicht gelöst sind.

In den vergangenen Jahren konnten einerseits die Bestandserschließungen und -auswertungen wieder aufgenommen, andererseits aber auch wieder zahlreichen BenützerInnen die Materialien des Archivs zugänglich gemacht werden, wenn auch die Einschränkungen aufgrund zahlreicher noch verlagerter Materialien sich oft als bedauerlich herausstellen.

Personalia: Archiv, Bildarchiv, Bibliothek, Parteiarchiv

Ende 1945 waren zwölf Personen im Archiv tätig, die zum Teil Rückstände aufarbeiteten.
1946: neun Personen;
1959: fünf MitarbeiterInnen (Keyhl, Emert, Langner, Kadlec, Zant).;
1966:sieben MitarbeiterInnen (Keyhl, Kwapil, Mörixbauer, Nozicka, Svoboda, Englisch, Morche);
1991: sechs MitarbeiterInnen (Böröcz, Kotzmann, Nozicka, Ployer, Taniwal, Weinert).

Alphabetische Auflistung jener Personen, die bei den Recherchen zu dieser Arbeit in den unterschiedlichsten Quellen als Mitarbeiter der Archive ausgewiesen (erwähnt) wurden. So recherchierbar, werden Lebens- u. Arbeitsdaten angeführt. (Exklusive der Mitarbeiter im ZK-Archiv).
Bakalla Antonia: (?); 1941–?;
Böröcz Bruno: (1943); 1971–91;
Bolena Anastasia: (1919); 1962–63;
Cagala Fritz: (?);
Cermak Hildegard (?); ?–68;
Coroneos Lotte: (?);
Denk Lotte: (?);
Diaz Christine: (?); 1984–?;
Emert Ferdinand: (1896); 1940–1945 im Archiv des Ostmärkischen Zeitungs-Verlages; dann 1945–61;
Englisch Anna: (1899); ?–68;
Englisch Leopoldine: (1922); 1963–68;
Englisch Rosa: (1929); 1968–85; Bildarchiv
Formann Karoline (1936), ?–61;
Goldsand Hilde: (1903); 1961–65
Grabner Günter: (1954); 1985–87;
Grahofer Hermine: (1903–?); 1945–62;
Hnat Walter: (1920); Bildarchiv;
Hofer Peter: (1911–1996); Parteiarchiv
Hurda Rosa: s. Englisch
Jelinek Lizzi: (1911);
Jirovsky Katharina: (?);
Kadlec Stefanie: (1899); 1945?–59; Bildarchiv;
Keyhl Gustav: (1906–1983); Archivleiter 1945–69;
Kihs Alois: (1909–1985); Archivleiter 1970–78;
Köck Fritz: (?);
Kornbauer Marie: (1894); 1947–57;
Korniak Vera: (1923); 1964–78 ZK-Bibliothek
Kotzmann Leopoldine: (1939); 1982–91;
Kwapil Herbert: (1917–1971); 1946–71; i.d. 40er-Jahren Bildarchiv;
Langner Stefanie: (1902); 1960–62;
Macht Hermine: s. Grahofer
Mandl Sabine: (?);1988–90 ZK-Bibliothek;
Mörixbauer Walter: (1928); 1960–69; 1968–69 Archivleiter;
Morche Rosa: (1908); ?–1968; Bildarchiv;
Muhri Margit: (1926–1998); 1985–91;
Neuhold Kurt: (?); 1980–82; ZK–Bibliothek
Nierhaus Irene: (1955); 1982–88; ZK–Bibliothek;
Nozicka Anna: (1928); 1961–1986; 1978–84 Archivleiterin;
Pichler Wolfgang: (?)
Ployer Andreas: (1964); 1986–91; Bildarchiv;
Schindel Gerti: (1913); Parteiarchiv
Soudek Elfriede: (1907);
Stempel Hilde: (1924); 1953–?;
Stern Max: (1903–1980); Parteiarchiv
Stoiber Elisabeth: (1914); ZK-Bibliothek;
Svoboda Rosa: s. Englisch
Taniwal Rasul: (1946); 1987–92;
Vorauer Elfriede: (1925); ZK-Bibliothek;
Vorauer Max: (1915); 1948 –?;
Wagner Josef: (?);
Weinert Willi (1946); 1979 ZK-Bibliothek; 1984 Ltr. d. Abt.Dokumentation;
Weinmüller Renate: (?); 1984–85; Bildarchiv;
Weiser Magda: (?);
Werre Alfred: (1876–1957); 1945–51; Bildarchiv;
Weißmayer Markus: (?– 1951); 1945–51;
Wimmer Amalia: (1926); 1970–84;
Wimmer Andreas: (1957); 1985; Bildarchiv
Woytowitz Anna: (1905); 1949–50;
Zant Augustine: (1928); 1952–61

Anmerkungen

1/ Auf die Tatsache, dass dieses Bewusstsein in Bezug auf die hier besprochenen Archive die Geschichte derselben überwiegend prägte, wird im Kapitel Von Archivbenützung, BenützerInnen und Verlusten eingegangen.

2/ »Die Rote Fahne«, 3.2.1925

3/ Unveröffentlichtes Manuskript. Arnold Reisberg (1904–1980): Historiker; Dr. phil.; Dr. habil; Prof.; Dr. h.c.; übersiedelte mit seiner Familie vor dem Ersten Weltkrieg nach Wien. Studierte ab 1924 an der Universität Wien Geschichte und promovierte 1928 bei Alfons Dopsch. 1924 trat er der KPÖ bei und war Leiter der Propagandaabteilung beim Zentralkomitee sowie Redakteur der ersten theoretischen Zeitschrift der KPÖ »Der Kommunist«. Zwischen 1927–1934 wurde er 24mal verhaftet und im November 1934 erst mit der Auflage freigelassen Österreich zu verlassen. Über die CSR ging er nach Moskau, wo er Dozent für Internationale und österreichische Arbeiterbewegung an der Internationalen Leninschule wurde. 1934/35 wurde er dort Leiter des entstandenen österreichischen Sektors. Anfang 1937 wurde ihm politische Abweichung vorgehalten und am 11.3.1937 wurde er entlassen; kurz danach erfolgte sein Parteiausschluss. Am 22.4.1937 verhafteten ihn die sowjetischen Behörden wegen antisowjetischer Propaganda und verurteilten ihn zu 5 Jahren Lagerhaft. Wegen des Kriegsausbruchs verblieb er bis 1946 in Kolyma, wurde dann in das Gebiet Kalinin entlassen, 1949 erneut verhaftet und „lebenslang“ nach Tassejowo (Ostsibirien) verbannt. In dieser Zeit war er Waldarbeiter, Teebrenner und Transportarbeiter. 1954 wurde seine Verbannung aufgehoben und die Strafe getilgt. Noch bis 1959 lebte er als Deutschlehrer in der Sowjetunion. Sein Ansuchen um ein Visum wurde vom österreichischen Staat abgelehnt und so ging er in die DDR, wo er in der Lenin-Abteilung des Instituts für Marxismus-Leninismus arbeitete. 1964 habilitierte er sich am Institut für Gesellschaftswissenschaften beim ZK der SED. Er verfasste u.a. folgende Werke: Februar 1934, 1974; Lenin. Dokumente seines Lebens, 1980, Von der I. zur II. Internationale, 1980; An den Quellen der Einheitsfrontpolitik, 1971; Chronik der Geschichte der KPÖ, 1976 (unveröff. Ms); Österreichische Kommunisten und Internationalisten im Kampf für die Sowjetmacht in Russland, 1979 (unveröff. Manus); Von der I. zur II. Internationale. Die Durchsetzung des Marxismus im Kampf um die Wiederherstellung der Arbeiterinternationale, 1980.

4/ Franz Freihaut (1902–1994): Er war nach 1918 Mitglied des Meidlinger Arbeiterrates, 1919 des Soldatenrates. Trat 1922 dem KJVÖ, 1923 der KPÖ bei. Ab 1927 arbeitete er in der Arbeiterbuchhandlung, dem Verlag der KPÖ und im Verlage für Literatur und Politik, den Johannes Wertheim leitete. In der KPÖ war er Verantwortlicher für die Soldatenarbeit. In dieser Zeit war er im Auftrag der Partei für die in Wien illegal agierende Balkanföderation tätig und unterstützte in dieser Eigenschaft den damals in WIen lebenden Georgi Dimitroff. Am VII. Kongress der Kommunistischen Internationale 1935 in Moskau war er einer der ordentlichen österreichischen Delegierten. In der Folge war er in Prag und Paris im Spanienapparat tätig. Nach Wien zurückgekehrt wurde er verhaftet, aber im Zuge der allgemeinen Amnestie wieder freigelassen. Bereits wenige Stunden nach der Annexion Österreichs verhaftete ihn die Gestapo und lieferte ihn ins KZ Dachau ein. Wegen Verdachts einer Leitungsbildung wurde er im Juni 1944 ins KZ Flossenbürg verlegt, wo er mit dem Kommunisten Josef Lauscher den Grundstein für eine österreichische Lagerorganisation legte, der dann 72 Österreicher angehörten. Nach der Befreiung kam er 1945 nach Wien und wurde Leiter des von der KPÖ gegründeten Stern Verlages. Ab dem 14. Parteitag gehörte er der Zentralen Kontrolle der KPÖ an; ab dem 17. Parteitag war er deren Vorsitzender bis 1975.

5/ Bereits vor dem Verbot der Partei (Mai 1933) beschäftigte sich die KPÖ mit der Frage der illegalen und konspirativen Arbeit. Es ist davon auszugehen, dass vor allem personenbezogene Informationen, wenn damals überhaupt zentral vorhanden, vernichtet wurden.

6/ Ein Großteil davon ist in Form von Kopien und Mikrofilmen in der Alfred Klahr Gesellschaft vorhanden.

7/ Zentrales Parteiarchiv (ZPA), Lebenslauf von Hilde Koutny.

8/ Ludwig Schmidt (1913–1943): Als Lehrling trat er, der Sohn einer Straßenbahnerfamilie in Wien-Breitensee, der Gewerkschaft und der SAJ bei, dann auch dem Schutzbund. Nach 1934 wurde er Funktionär im KJVÖ. Auch ihn brachte seine politische Aktivität im Austrofaschismus 1935 eine Haft im Anhaltelager Wöllersdorf ein, wo die dort ebenfalls inhaftierten Kommunisten seine Kenntnisse des Marxismus-Leninismus vertiefen halfen. Schmidt war in den Bezirken 13., 14. und 15. aktiv und in der Leitung des KJV. Er ging, nachdem er sich im Sommer 1938 in Prag aufgehalten hatte und nach Wien zurückgekehrt war, nach Paris. Von dort kommend traf er unter falschem Namen im Juli 1939 wieder in Wien ein, knüpfte zu verschiedensten Funktionären Kontakte und beteiligte sich aktiv am Widerstandskampf. Im Dezember 1939 wurde er verhaftet und drei Jahre später in Berlin zu lebenslanger Haft verurteilt, aber in einem weiteren Verfahren zum Tode verurteilt und in Berlin-Plötzensee geköpft. Eine Woche nach seiner Verurteilung schrieb er an seine Mutter und seine „Lieben“: „Ich glaube, es ist nicht das erstemal und bestimmt nicht das letzte Mal, dass im Garten der kleinen Leute, der Arbeiter- und Angestelltenfamilien der Sturm ein Pflänzchen knickt und es vernichtet. Dafür kann das Pflänzchen nicht und auch nicht der Gärtner. Solange es Stürme gibt, wird dieses Gesetz gelten.“ Aus: Alfred Klahr Gesellschaft (Hrsg.), Ich möchte, dass sie Euch alle immer nahe bleiben... Biografien kommunistischer Widerstandskämpfer; Wien 1997.

9/ Die Vermutung liegt nahe, dass es sich dabei um so etwas wie ein Zeitungsausschnittearchiv gehandelt hat, dessen Material dann Grundlage für die Flugblattagitation gewesen ist.

10/ Einige davon wurden in »Alfred Klahr Gesellschaft - Mitteilungen«, Nr. 4/1998, wiedergegeben.

11/ Friedrich Hexmann (1900–1991): Wegen Teilnahme am Jännerstreik 1918 war er bereits in Haft. Er gehörte zu den Mitbegründern des KJVÖ, dessen Zentralkomitee er von 1919–24 als Sekretär angehörte. In der Folge war er Redakteur des Zentralorgans »Die Rote Fahne«, Sekretär der Wiener Stadtleitung und Verantwortlicher für die Betriebsarbeit. Nach 1933 war er Organisationsleiter in der Wiener Stadtleitung. Zwischen 1934–37 Haft im Landesgericht Wien und Anhaltelager Wöllersdorf. 1938 kam er über Paris und Prag nach Moskau, wo er Mitarbeiter der Presseabteilung der Komintern wurde. Ab 1943 war er in der Schulungs- und Aufklärungsarbeit unter den österreichischen Kriegsgefangenen tätig (Lehrer an Antifa-Schule in Krasnogorsk). Ab 5.1945 Verantwortlicher im Antifaschistischen Büro österreichischer Kriegsgefangener (ABÖK) und Redakteur der »Mitteilungen des ABÖK«. Als Parteivertreter der KPÖ in Moskau war er mit der Rückführung österreichischer KommunistInnen und ebenso mit der Auffindung vermisster GenossInnen befasst. 1950–53 Mitglied der Wiener Stadtleitung, vom 13.–20. Parteitag Mitglied des ZK, vom 15.–19. Parteitag Mitglied des Politbüros.

12/ Dieser Bildungsauftrag in den Parteien der Arbeiterbewegung spiegelt sich auch in der Rede von Friedrich Adler wieder, die er bei der Eröffnung der Sozialwissenschaftlichen Studienbibliothek bei der Kammer für Arbeiter und Angestellte für Wien am 18.9.1921 hielt, wenn er ausführte: „Der Aufstieg der Arbeiterklasse in Österreich war vom ersten Augenblick an mit einer geradezu vorbildlichen Liebe zum Buche verbunden. Wer sich an die ersten Bibliotheken der Arbeiterbildungsvereine zurückerinnert, kann ermessen, welch großen Weg wir in Österreich zurückgelegt haben. [...] Alle jene Bibliotheken sind, um es kurz zu sagen, Schülerbibliotheken, in denen jeder einzelne in der Lage ist, seinen eigenen Bildungskreis zu erweitern. Die Bibliothek, die wir heute eröffnen, ist eine Lehrerbibliothek: sie soll denjenigen dienen, die als Lehrer in der Arbeiterbewegung tätig sind. Sie soll, wie es in ihren Richtlinien heißt, dem Studium im Dienste der Arbeiterbewegung dienen.“ (Zit. in: Karl Stubenvoll, 75 Jahre Sozialwissenschaftliche Studienbibliothek der Kammer für Arbeiter und Angestellte für Wien. 1921–1996, Wien 1997, S. 24.

13/ »Die Rote Fahne«, 2.4.1921. Die idente Ankündigung ist auch in den »Nachrichten für die Referenten und Organisatoren der KPÖ« , Nr. 7, 2.4.1921 abgedruckt. Im Protokoll des 5. Parteitages der KPÖ (Wien 1922) wird darauf hingewiesen, dass die Bildungszentrale „die Schaffung von Bibliotheken“ gefördert hat. (S.18)

14/ Hans Schafranek, Das kurze Leben des Kurt Landau, Wien 1988, S. 17.

15/ Obwohl nach 1945 zahlreiche Bücher aus dieser Zeit in die ZK-Bibliothek kamen, findet sich keines, das  einen Stempel – falls es überhaupt solch einen gegeben hat – dieser Bibliothek aufweist.

16/ Die Zeitung, 1878; zit. nach H. Haupt, F. Endler Archivare sind Käuze..., in: »Die Presse«, 30.6.1973.

17/ Auskunft in den 80er-Jahren von Walter Stein (1902–1983): 1919 Angehöriger des Verbands Jugendlicher Arbeiter. 1919–20 Mitglied in der Sozialistischen Arbeiterjugend, 1920 Beitritt zum KJVÖ und der KPÖ. 1926–27 gehörte er dem Zentralkomitee des KJVÖ an und war Redakteur in deren Zentralorgan »Proletarierjugend«. Vom 4.–5. Parteitag Mitglied des Parteivorstandes, ab 1927 ZK-Mitarbeiter im Bereich Agitprop und Redakteur in »Die Rote Fahne«. 1932–33 Leiter der Informationsabteilung der KPÖ. 1938 emigrierte er nach Frankreich, wo er im Widerstandskampf tätig war. 1945 kehrte er nach Österreich zurück und war Mitarbeiter beim Zentralkomitee (Spezialist für Wirtschaftsfragen).

18/ Albert Fuchs, Ein Sohn aus gutem Haus, London 1943, S. 80.

Albert Fuchs (1905–1946): Dr. jur.; studierte ab 1924 an der Universität Wien Rechtswissenschaft bei Hans Kelsen, bei dem er 1929 promovierte. War danach Verteidiger in Strafsachen. 1934 trat er der KPÖ bei und wurde zwischen 1936–38 mehrmals verhaftet. 1938 emigrierte er nach Prag, 1939 weiter nach London. Er war Mitarbeiter des »Zeitspiegel« der Zeitung des Austrian Centre, ab 1942 im Free Austrian Movement. Im Exiltheater „Laterndl“ war er Sekretär und Stückeschreiber. 1940 wurde er formell von den Nazis ausgebürgert, 1941 wurde ihm der Doktorgrad entzogen. Weiterer Hinweise zu seiner Biografie finden sich im Kapitel Zum Leben von Albert Fuchs in diesem Buch.

19/ Diese klare Rechtslage hinderte damals die SP-»Arbeiterzeitung« nicht, auch hier ihren pathologischen Antikommunismus abzuarbeiten, indem sie am 10.2.1951 dem ehemaligen Minister Peter Krauland „wirtschaftlichen Hochverrat“ vorwarf, weil er „zwei der modernst eingerichteten Druckereibetriebe der ehemaligen Steyrermühl, die Druckerei auf dem Fleischmarkt und in der Gumpendorferstraße, der Kommunistischen Partei in die Hand gespielt zu haben.“ Natürlich verlor die SP-Zeitung diesen Prozess, denn es war für Krauland nicht schwierig nachzuweisen, dass dieser Vorgang auf einer Übereinkunft mit Renner und im Einvernehmen mit dem Kabinettsrat erfolgte. Vgl. dazu: »Wiener Kurier«, 11.5.1951;

20/ Zuletzt wurden 1945 folgende Zeitungen am Fleischmarkt gedruckt: »Neues Wiener Tagblatt« (samt Abendausgabe), Grosse und Kleine »Volks-Zeitung«, »Sport-Tagblatt«, »Neues Wiener Tagblatt«, »Volks-Woche«, »Nach der Arbeit«.

21/ ZPA.

22/ Max Neudeck, Franz Leitner, Eduard Wondracek, Dr. Heinz Paller, Franz Lobgesang.

23/ Die erste Nummer erschien am 23.4.1945.

24/ Murry G. Hall, Österreichische Verlagsgeschichte, Wien 1985.

25/ Mit Ablauf der Pacht ging diese Zeitung, die der Tagblatt-Verlag herausgab, ebenfalls an die Eigentümer zurück.

26/ Es wurde am 30.3.1953 mit dem »Abend« vereinigt.

27/ ZPA, Lebenslauf von Ferdinand Emert (1896–?): Begann 1911 als Laufbursche im Steyrermühl Verlag, wurde Bürodiener und später Redaktionsgehilfe bei »Die Stunde«, wo er auch mit dem Bildarchiv zu tun hatte. Als 1940 der Ostmärkische Zeitungs-Verlag sein Archiv aufzubauen begann, wurde er Mitarbeiter und als „Registrator“ beschäftigt. Von 1945–61 war er dann im Globusarchiv beschäftigt. Über dieses Archiv des Ostmärkischen Zeitungs-Verlages wurde auch im »Neuen Wiener Tagblatt« am 6.4.1944 berichtet. Darin wird die Sammlung der „Biografien“ mit über 20.000 Namen als „Hauptgebiet“ des Archivs bezeichnet. Täglich wurden zu diesem Zeitpunkt ca. 200 Zeitungsausschnitte verarbeitet. (Ende der 40er-Jahre wurden dann im Globusarchiv 500–900 Zeitungsausschnitte pro Tag bearbeitet.)

28/ Darunter: »Neues Wiener Tagblatt«, »Völkischer Beobachter«, »Kleine Wiener Kriegszeitung«, »Volks-Woche«, »Wochen-Ausgabe Neues Wiener Tagblatt«, »Nach der Arbeit«, »Kronenzeitung«, »Das Kleine Blatt«, »Das Kleine Volksblatt«, »Das Reich«, »Berliner Lokalanzeiger«, »Berliner Börsenzeitung«, »Kölnische«, »Frankfurter«, »Tagespost-Linz«, »Tagespost-Graz«, »Salzburger Volksblatt«, »Innsbrucker Nachrichten«, »Grenzbote-Pressburg«.

29/ H. Haupt, F. Endler, Archivare sind Käuze und stolz darauf, in: »Die Presse«, 30.6.1973.

30/ Günther Haller, Pressearchiv: Erfolgreiche Suche nach der verlorenen Zeit, in: »Die Presse«, 23.11.1996.

31/ Die Preise der Benützung konnten einer beigefügten Anzeige entnommen werden. Normale Anfrage: 500.–; Recherchen: 800.– pro halber Stunde; 5.– für eine Kopie, 6.– für ein FAX; 800.– für ein Foto, zuzüglich der Mehrwertsteuer. Ermäßigungen für AbonnentInnen und StudentInnen wurden angeboten.

32/ Gustav Keyhl (1906–1983): War von 1938–45 Soldat im 2. Weltkrieg, trat 1945 der KPÖ bei. Neben seiner Archivtätigkeit schrieb er Chronikartikel und Buchrezensionen und hielt in Volkshochschulen Vorträge zur Literaturgeschichte.

33/ Dieser Variante lag die Überlegung zugrunde, dass das vorhandene Archiv eines der wenigen im deutschsprachigen Raum war, das nicht im Zuge der Kriegsereignisse vernichtet oder stark in Mitleidenschaft gezogen worden war.

34/ »Tagblatt am Montag«, 5.9.1949.

35/ So war es lange Zeit im »Volksstimme«-Schnittarchiv üblich, dass die Mitarbeiter den entsprechenden Ordnern die gewünschten Materialien entnahmen und dem Redakteur auf den Tisch legten. Da das aber eine für die Archivarbeiter sehr zeitintensive Praxis war, ging man dazu über, den Ordner, in dem sich das gesuchte Material befand, dem Redakteur zu übergeben und ersparte sich so die zusätzliche Manipulation der Entnahme und späteren Rückreihung des Materials.

36/ Dieses System wurde zwar immer mehr perfektioniert und führte sogar auch zu einer eigenen ÖNORM, doch durchzusetzen vermochte sich die Dezimalklassifikation nicht. Der Grund liegt m.M. nach in einer vom ständig sich verändernden Leben getrennt entwickelten Konstruktion.

37/ Mnemotechnik wird das bezeichnet und man versteht in diesem Zusammenhang die Methode mittels entsprechender Buchstaben eine gedankliche Brücke zum Inhalt herzustellen. So werden bei Unterteilungen mit Buchstaben dieselben nicht willkürlich in Anwendung gebracht, sondern es wird danach getrachtet, sie dementsprechend auszuwählen. Z.B. stand „L“ für Landwirtschaft, oder, wie dann im 1947 entwickelten System des Globus-Archivs, „s“ für Sozialdemokratie, „v“ für Volkspartei und „k“ für Kommunisten. Es ist jedem einsichtig, dass, so es darum geht, die österreichischen Bundesländer in einer Sammlung zu kennzeichnen, es logischer ist, diese mit den beiden Anfangsbuchstaben denn mit 9 verschiedenen Zahlen zu bezeichnen. Dass man aber damals für die Signaturen der Länder dieser Erde zu Buchstaben(kombinationen) auch kyrillische und griechische Buchstaben heranzog, anstatt sich der internationalen Autokennzeichen zu bedienen, lag bestimmt daran, dass zu dieser Zeit der Autoverkehr nicht jenen Stellenwert hatte, wie ein oder zwei Jahrzehnte später und viele Länder gar keine „internationalen“ Kennzeichen hatten (Kolonien!).

38/ Das ist natürlich nicht eine Besonderheit für ein Schnittarchiv einer kommunistischen Zeitung, sondern findet überall anders auch seinen Niederschlag. Ein Blick auf die jeweiligen Systematiken bestätigt das. Wurden viele der angeführten Begriffe des Tagblattarchivs mit dem Untergang des NS-Regimes bedeutungslos, traten andere in den Vordergrund; z.B. „Ausländer, Faschisten, Habsburger“ (Sig. Oe/2/5); UNRA (Sig. Oe/3/22a); „Freiheitsbewegung, Widerstandsbewegung, KZler“ (Sig. Oe/3/20); „Kriegsschäden und Wiederaufbau“ (Sig. Oe/3/29); „Pangermanismus“ (Sig. Oe/3/25a); „Emigranten, Repatriierung“ (Sig. Oe/7/3c); „Schleichhandelsprozesse“ (Sig. Oe/29/8c); usw.

39/ Es ist die Vorstellung vieler BenützerInnen, dass im Archiv eine Sammlung von Materialien genau zu dem von ihnen gewünschten „Schlagwort“ vorhanden ist.

40/ Es sei darauf hingewiesen, dass die Ablage eines Artikels an verschiedenen Stellen der Archivsystematik nicht nur eine Platzvermehrung mit sich bringt, sondern auch mehrere Exemplare der zu bearbeitenden Zeitungen und Zeitschriften verlangt. Was ab der Möglichkeit des Einsatzes eines Kopierers kein Problem war, aber sehr wohl in einer Zeit, wo ein Duplizieren eines Textes die Arbeit einer Stenotypistin erforderte. Die mehrfache Ablage von Artikeln im Globusarchiv in den 70er- und 80er-Jahren war die Norm (weil dies auch einen Komfort für die Benützung darstellte) und auch zeitökonomischer als die nach 1945 notwendigerweise praktizierte Technik des schriftlichen Verweises. Hier wurden auf einem dem jeweiligen Sachgebiet vorangestellten Blatt diese getippten oder handschriftlichen Verweise beigefügt. Diese bestanden in dem Zeitungs- oder Zeitschriftentitel, dem Datum und der Signatur, die angab, an welcher Stelle in der Archivsystematik der Artikel abgelegt war. Dieses System der Hinweise betraf aber auch Inhalte, die man nicht ausgeschnitten hatte, die also nicht in Form eines Artikels zur Verfügung standen, sondern nur über die archivierten Zeitungsbände zu erschliessen waren. Daher musste diese im Jahr um mehr als 200 Zeitungsbände anwachsende Sammlung aufbewahrt werden.

41/ Die vorhandenen Unterlagen lassen nur mehr eine teilweise Rekonstruktion zu.

42/ Für den Bereich 1–67 wurden keine Unterlagen gefunden.

68           Reichsführung, Reichskanzlei, Reichstag (seit 1933)

69           Reichsregierung

70           Auswärtiges Amt

71           Beziehungen zu den einzelnen Staaten

72           Auslandsstimmen über Deutschland

73           Auslandsvertretungen in Deutschland

74           Deutsche Kulturpropaganda u. Kultureinflüsse im Ausland

75           Auslandsdeutschtum

76           Grenzlanddeutschtum

77           Bundesstaat Österreich (Innere Politik)

78           Bundesstaat Österreich (Außenpolitik, Anschlussbewegung)

79           Bundesstaat Österreich (Wirtschaft und Finanzen)

80           Bundesstaat Österreich (Sozial- u. Bevölkerungspolitik)

81           Deutsche Ostmark

82           Protektorat Böhmen und Mähren

83           Deutscher Osten

84           Ehemals besetzte Gebiete (Westen)

85           Deutsche Kolonialpolitik

86           Danzig (Reichsgau Danzig, Westpreußen)

87           Sudetenland

88           Niederdonau

89           Oberdonau

90           Salzburg

91           Tirol und Vorarlberg

92           Steiermark

93           Kärnten

94           Saarpfalz

95           Preußen

96           Bayern

97           Sachsen

98           Württemberg

99           Baden

100-105 (Für diesen Bereich wurden keine Unterlagen gefunden)

106         Lippe und Schaumburg-Lippe

107         Reichshauptstadt

108         Hamburg, Bremen, Lübeck, Rostock

109         Deutsche Geschichte, Weltkrieg

110         NSDAP (Führung, Bewegung, Politik)

111         NSDAP (Organisation)

112         Gliederung und angeschlossene Verbände

113         Presse und Propaganda

114         Soziales

115         Parteitage

116         Sonstige Tagungen der Partei

117         Weltanschauung

118         Großdeutschland: Neugliederung, Struktur- u. Planungsfragen

119         Wehrmacht (alle drei Wehrmachtsteile)

120         Wehrmacht (Heer)

121         Wehrmacht (Marine)

122         Wehrmacht (Luftwaffe)

123         Bevölkerungsfragen

124         Recht, Justiz, Polizei

125         Prozess- u. Kriminalchronik

126         Deutsche Finanzpolitik

127         Bank- u. Kreditwesen, Finanzinstitute

128         Börsenwesen

129         Versicherungswesen

130         Geldwesen

131         Steuern, Zölle

132         Reparationsfragen

133         Kommunalpolitik

134         Verkehrswesen

135         Eisenbahnen

136         Luftverkehr, Flugwesen

137         Schiffbau, Schifffahrt

138         Wasserstrassen, Binnenhäfen

139         Straßen, Tunnel, Brücken

140         Reichsautobahn

141         Kraftfahrwesen

142         Post, Telegraph, Fernsprecher, Rundfunk

143         Deutsches Wirtschaftsleben (Allg. Fragen)

144         Weltwirtschaft

145         Deutschland und die Weltwirtschaft

146         Industrie u. Bergbau Deutschlands

147         Wirtschaftsgesellschaften, Genossenschaften, Kartelle

148         Staatsbetriebe

149         Handel

150         Handwerk, Gewerbe

151         Energiewirtschaft

152         Land- u. Forstwirtschaft

153         Agrarwirtschaft

154         Arbeit, DAF, RAD

155         Sozialpolitik, Sozialversicherung

156         Jugend, Erziehung

157         Schule

158         Kirche, Religion

159         Kultur (Allg.)

160         Kultur (Einzelheiten)

161         Deutschland: Land und Leute

Sport nahm die Nummern 181–193 ein und umfasste von den Einzelsportarten (auch Keulenschwingen) bis hin zum NS-Reichsbund für Leibesübung, dem HJ-Sport und Unglücksfällen in den Bergen die ganze vorstellbare Bandbreite des Bereiches Sport Unter der Nummer 200 war Allerlei abgelegt

43/ Das Schema der Jahre 1945–1947 für das noch im Archiv vorhandene Schnittmaterial des Globusarchivs ist auf Seite 68 in diesem Buch zu finden.

44/ Unter „1“ war alles, das nicht unmittelbar politische Parteien betraf, unter „2“ das, was politische Parteien dieses Landes betraf. De facto handelte es sich aber um eine Dreiteilung, weil Artikel zur Souveränität und Außenpolitik des jeweiligen Staates ohne Signatur den beiden anderen Untergruppen vorangestellt wurden. Staaten wie San Marino, Afghanistan, Kuwait, Libanon fielen darunter.

45/ Wobei die dazugekommene Gruppe neben der „ohne Signatur“ die war, die die Artikel zu den Exekutivorganen wie Polizei und Heer, zu Verbrechen und Gerichten aufnahm. Länder wie Irland, Abessinien, Paraguay, Chile u. Bolivien fielen darunter.

46/

1             Gebiet, Verfassung, Behördenwesen, Geschichte allg.;
2             Innenpolitik, Regierung, bürgerliche Parteien, Wahlen;
2a           Kommunisten, Linkssozialisten, Gewerkschaften, Streiks;
2b           Faschisten, reaktionäre Strömungen;
3             Außenpolitk, Heer, Rüstung;
4             Landwirtschaft;
5             Kultur, Bauen u. Wohnen, Lebensgewohnheiten, Soziale Lage der Intelligenz;
6             Religion, Nationale Frage, Bevölkerung und Wanderung, Sprachangelegenheiten, konfessionelle Schulen;
7             Soziale Fragen, Frauenfragen, Sanitätswesen, Lebensstandard;
8             Lokal- u. Kriminalchronik;

darunter fielen Länder wie Albanien, Norwegen, Finnland, Spanien, Iran, Pakistan, Algerien, Australien u.a.

47/ Dieser baute auf einer Unterteilung von 1–9 und weiteren Hierarchisierungen auf. Darunter fielen u.a.: BRD, Frankreich, Italien, Jugoslawien, alle europäischen Volksdemokratien (mit Ausnahme Albaniens), China, Indien, und die USA, aber kein afrikanisches Land.

48/ Eine der Ursachen dieser immer wieder anwachsenden Rückstände bei der Bearbeitung und Einordnung der anfallenden Artikel muss im Widerspruch (der vom Benützer immer maximal war, denn: „Wozu haben wir ein Archiv“) zwischen Anforderungen ans Archiv und der Bereitschaft für das Archiv die entsprechenden Arbeitsbedingungen zu schaffen (wobei die Frage der Qualifikation der Mitarbeiter immer unterschätzt wurde), zu sehen sein.

49/ An dieser Problematik änderte sich auch nichts, als die Zeit der Volltextspeicherung angebrochen war und man mit allen möglichen Verknüpfungen den Datenbestand abfragen konnte. Das scheiterte in dieser Phase bereits daran, dass ungeheure Arbeit notwendig war diese Texte elektronisch abzuspeichern. Und dann hatte man bestenfalls mit monotonen Texten gefüllte Bildschirmseiten, die einem das Durcharbeiten extrem erschwerten und die Augen bis an die Grenzen strapazierten. Es dürften nur wenige gewesen sein, die von dieser Art Archiv schwärmten. Wahrscheinlich haben sie nie das Vergnügen gehabt ein reales Zeitungsschnittarchiv kennenzulernen. Sogar das vielgepriesene und mit mehreren Dutzend hochqualifizierten Mitarbeitern bestückte »Spiegel«-Archiv bewahrt für zwei Jahre die Originalausschnitte auf, bevor sie nur mehr verfilmt verfügbar sind.

50/ Davon waren allein auf drei Seiten die Titel der bisher archivierten Zeitungen und Zeitschriften aufgelistet und solche, die weiterhin aufbewahrt werden sollten.

51/ Die Herausgeber des »Salto«, der nun auch an einer anderen Adresse seinen Sitz hatte, glaubten, sie könnten ein „neues Bildarchiv“, das den Erfordernissen des neuen Medienprodukts angepasst war, aufbauen. Es ist bei den Überlegungen geblieben, weil nicht nur diesen, sondern auch den damit befassten Personen die entsprechende Kompetenz fehlte.

52/ Leider hatten nicht alle Bitten Erfolg, denn auch heute noch fehlen von einigen dieser Zeitungen die ersten Nummern im Archiv.

53/ Diese Zweiteilung wäre obsolet gewesen, hätten Redaktion und Parteizentrale nicht in so weit auseinanderliegenden Gebäuden ihren Sitz gehabt.

54/ Das Schema des ZK-Archivs ist auf Seite 73 in diesem Buch zu finden.

55/ Das Schema des ZK-Archivs ab dem 1.1.1957 ist auf Seite 74 in diesem Buch zu finden.

56/ Diese waren: D. Wirtschaftspolitik; E. Finanzpolitik; F. Industrie; G. Gewerbe; H. Handel, Handelspolitik, Preise; I. Verkehr; M. Handel u. Preisprobleme nach Warengruppen; O. Wohnungsfragen, Städtebau, Raumplanung; P. Gewerkschaften; Q. Sozialpolitik; R. Gesundheitswesen; S. Soziale Fragen der Intelligenz; T. Soziale Fragen der Jugend; U. Soziale Fragen d. Frauen u. Kinder; V. Ausland; W. Kriegsfolgen; X. Sonderthemen.

57/ Das Archiv wurde bis Anfang der 90er-Jahre geführt und dann eingestellt. Das letzte Schema des Industriearchivs ist auf Seite 77 in diesem Buch zu finden.

58/ Das Schema war historisch-chronologisch und nach Thematiken, die sich an der Geschichte der Arbeiterbewegung orientierten, strukturiert. Nach diesem Schema wurden die Materialien ab März 1965 ausgewertet, d.h. mit der entsprechenden Signatur versehen und innerhalb derselben chronologisch geordnet. Das Schema ist auf Seite 78 in diesem Buch zu finden.
Ein Entwurf von Herbert Steiner für das Parteiarchiv stammt aus 1975 und folgt ähnlichen, historisch-chronologischen Kriterien, wie obiges Schema. Die erste Hierarchie wurde mit den Buchstaben des Alphabets von A–X, die zweite Hierarchieebene wurde durch Zahlen strukturiert.

A             Österreichische Arbeiterbewegung –1918
B             Internationale Arbeiterbewegung –1918
C             Kommunistische Partei 1918–1933
D             Sozialdemokratische Partei 1918–1934
E             Gewerkschaftsbewegung 1918–1934
F             Bürgerliche Parteien 1918–1934
G             Kommunistische Internationale 1919–1934
H             Sozialistische Arbeiterinternationale –1934
I               KPÖ 1933–1938
J              Revolutionäre Sozialisten 1934–1938
K             Illegale Gewerkschaften 1934–1938
L             Organisationen des Austrofaschismus 1934–1938
M             Internationale Arbeiterbewegung 1934–1938
N             KPÖ 1938–1945
O             Nationalsozialismus in Österreich 1938–1945
P             Widerstand anderer Gruppen 1938–1945
Q             Österreichische Exilorganisationen 1938–1945
R             Kommunistische Internationale 1934–1943
S             Befreiung Österreichs 1945
T             KPÖ 1945–1955
V             Andere Gruppen 1945–1955
W            Internationale Arbeiterbewegung 1945–1955
X             Staatsvertrag 1955

Die vorhandenen Dokumente sollten fortlaufend geordnet aufbewahrt werden. Auszuwerten waren alle im Dokument aufscheinenden Namen auf einer Karteikarte. Die thematische Auswertung sollte ebenfalls auf einer oder mehrerer Karteikarte(n) festgehalten werden, die nach dem obigen Schema zu ordnen gewesen wären, wie beigefügten Erläuterungen zu entnehmen ist.

59/ Erster und langjähriger Leiter war der ehemalige Bundessekretär der FÖJ und Funktionär der KPÖ Herbert Steiner, der mit einer Gruppe von Kommunistinnen und Kommunisten, die bereits in Pension waren (Friedrich Vogl, Selma Steinmetz, Kurt Hahn, Ester Tencer, Hans Hertl, Antonia Bruha, Tilly Spiegel u.v.a.m.) diese Dokumentationsstelle des österreichischen Widerstandes aufzubauen begannen.

60/ Von diesen wurden damals im Nassverfahren Kopien angefertigt (die Xerokopie gab es noch nicht), bei denen im Laufe der Jahre ein chemischer Prozess diese großteils unleserlich machte. Auch hatte dieser Prozess zum Teil Auswirkungen auf die mit ihnen abgelegten Papierdokumente.

61/ Max Stern (1903–1980): 1917 trat er der Sozialistischen Arbeiterjugend bei, 1918 dem KJVÖ, war Schülerrat in der Mollardschule. 1920–26 Mitglied des Zentralkomitee des KJVÖ, 1924 trat er der KPÖ bei. 1935 organisierte er die Flucht von Friedl Fürnberg und Franz Honner aus dem Anhaltelager Wöllersdorf, danach  Emigration in die CSR. Ging als Freiwilliger nach Spanien. War zwischen 1939–41 in den französischen Internierungslagern St. Cyprien, Gurs, Argeles, von dort flüchtete er in die Schweiz und gehörte der dortigen Parteileitung der österreichischen Kommunisten an. 1944 ging er mit Peter Hofer und anderen nach Jugoslawien und war Major und Politkommissar des 2. österreichischen Freiheitsbataillon. 1945 Chefredakteur des »Salzburger Tagblattes«, dann Chefredakteur des »Pressedienstes« der KPÖ, Mitglied des ZK der KPÖ, Redakteur der »Volksstimme« und deren Korrespondent in Moskau (1963–68 ).

62/ Peter Hofer (1911–1996): Seit 1934 KPÖ-Mitglied. Absolvierte die Internationale Leninschule in Moskau, auf der er auch eine militärische Ausbildung bekam. 1937 ging er als Freiwilliger nach Spanien und wurde dort Politkommissar des 12. Februarbataillons; nach Internierung im Lager St. Cyprien ging er in die Schweiz und gehörte der Parteileitung der österreichischen Kommunisten an. 1944 mit Max Stern nach Jugoslawien und dort Kommandeur des 2. österreichischen Freiheitsbataillon. Arbeitete nach 1945 bei der Wiener Polizei.

63/ Gerti Schindel (1913): Wurde Anfang der 20er-Jahre Mitglied des KJVÖ, dann der KPÖ. Mitte der 30er-Jahre arbeitete sie in der Schweiz und dann in Paris im Spanienapparat, der den Transport der Freiwilligen nach Spanien organisierte. Danach in der Gruppe österreichischer Widerstandskämpfer in der französischen Résistance. Ging als sogenannte Fremdarbeiterin nach Österreich um in den Widerstandskampf in Wien einzugreifen. Wurde im August 1944 verhaftet und nach schweren Folterungen ins KZ Ravensbrück eingeliefert. Sie sollte noch im März 1945 ermordet werden, wurde aber von der illegalen Lagerorganisation versteckt und unter falschem Namen vom schwedischen Roten Kreuz übernommen. Nach 1945 arbeitete sie in der Org.abteilung Abteilung der KPÖ.

64/ Daran sollte sich auch in weiterer Folge nichts ändern. Als Anfang 1990 der langjähriger Leiter der Abteilung für Kommunalpolitik sein Zimmer räumte, fanden sich danach keinerlei Materialien. Daraufhin vom Vf schriftlich angesprochen, übersandte er ihm ein einseitiges (!) Konzept „Zur Geschichte der Gemeindepolitik der Partei. Quellen, Methoden...“

65/ Historisch interessante Materialien konnten aber durchaus auch im bestehenden Zeitungsarchiv landen (so Exilzeitungen, historische Agit-Materialien aus der Zeit vor 1934 usw.) Sofern sie bei Recherchen aufgefunden werden, gehen sie umgehend in den Bestand des Zentralen Parteiarchivs über. Das betrifft auch historische Fotos aus der Geschichte der KPÖ oder der österreichischen Arbeiterbewegung.

66/ Ihr war die ZK-Bibliothek, das Schnittarchiv und das bestehende Parteiarchiv zugeordnet.

67/ Ausgangspunkt dafür waren die Benützungsbedingungen jener Materialien aus dem Kominternarchiv in Moskau, für die die Bewilligung der KPÖ Voraussetzung war. Das war eine Regelung, die auch für die anderen Länderbestände angewandt wurde. Da sich der Archivleiter an diese Abmachungen hielt und sich auch konsequent weigerte personenbezogene Daten weiterzugeben (also das praktizierte, was in jedem anderen Archiv zur Normalität gehört), steigerten sich die Anfeindungen.

68/ »Aus der Parteitätigkeit«, Nr. 19/1990. Josef Ehmer wurde bald darauf zum o.Univ.-Prof. an die Uni Salzburg berufen. Seinem Rücktritt folgte der Parteiaustritt auch anderer Mitglieder der Historischen Kommission, auch jener, die in der Arbeitsgruppe zur Aufarbeitung der Geschichte der sowjetischen Emigration österreichischer KommunistInnen tätig waren. Sie lehnten ebenfalls die neue Parteiführung aus politischen Gründen ab, verklärten aber ihren Abgang als Folge angeblicher „interner Widersprüche“.

69/ »Volksstimme«, 24.10.1990.

70/ Ein Verzeichnis der Archivbestände vom 31. Juli 1945 listete 4388 Umschläge mit Künstlerporträts, 3174 mit Politikern, 1117 Umschläge der Sachlichen Serie, 324 der Politischen Serie und 892 Umschläge zu Landschaften auf.

71/ Wahrscheinlich mit der Zusammenführung der differenzierten Sig. römisch „I“ im Schnittarchiv wurden auch im Fotoarchiv die Personenfotos zusammengeführt. Ebenso wie im Schnittarchiv gab es die durch römisch „II“ gekennzeichnete Gruppe, dann die mit „Oe“, in denen Fotos zu Österreich zu finden waren, sowie die Bundesländer. Das Schema ist auf Seite 80 in diesem Buch zu finden.

72/ »Österreichische Volksstimme«, 8.5.1953.

73/ »Österreichische Volksstimme«, 26.7.1953.

74/ ZPA.

75/ Welcher Platzbedarf notwendig war, kann an der Auflistung der noch 1967 gebundenen und ständig aufbewahrten Zeitungen ermessen werden: »Amtsblatt der Stadt Wien, »Die Arbeit“, »Arbeit und Wirtschaft“, »Arbeiterzeitung“, »Berichte und Informationen“, »Die Buchgemeinde“, »Der Erdölarbeiter“, »Express“, »Freies Burgenland“, »Freiheit“, »Die Furche“, »Die Industrie“, »Jugend 1967“, »Der kleine Landwirt“, »Kleine Zeitung“ (Graz), »Kleines Volksblatt“, »Kronen-Zeitung“, »Kurier“, »Die Mieter-Zeitung«, »Mitteilungen d. Direktoriums der Nationalbank«, »Monatsberichte d. österr. Inst. f. Wirtschaftsforschung«, »Neue Front«, »Der Neue Mahnruf«, »Neue Tageszeitung«, »Neue Zeit« (Linz), »Neue Zeit« (Graz), »Oberösterreichische Nachrichten«, »Österreichische Monatshefte«, »Die Presse«, »Der Privatangestellte«, »Rundschau Baden«, »Rundschau Schwechat«, »Salzburger Nachrichten«, »Salzburger Tagblatt«, »Schwarzataler Bezirksbote«, »Der Selbständige«, »Solidarität«, »Sowjetunion heute«, »St. Pöltner Nachrichten«, »Der Standpunkt«, »Statistische Nachrichten«, »Stimme der Frau«, »Tagblatt« (Linz), »Tagebuch«, »Tagespost« (Graz), »Tiroler Nachrichten«, »Tiroler Tageszeitung«, »Der Vertrauensmann«, »(Österreichische) Volksstimme«, »Volkswille«, »Der Volkswirt«, »Vorarlberger Nachrichten«, »Wahrheit«, »Weg und Ziel«, »Welt der Arbeit«, »Der Widerstandskämpfer«, »Wiener Börsenkurier«, »Wiener Montag«, »Wiener Zeitung«, »Die Wirtschaft«, »Die Wochenpresse«, »Wr. Neustädter Nachrichten«, »Die Zukunft«.

Internationale Zeitungen: »Aus der internationalen Arbeiterbewegung«, »Bulletin des Weltfriedensrates«, »Daily Worker«, »Democratic nouvelle«, »l’Humanité«, »Internationale Wirtschaft«, »Iswestija«, »Le Monde, »Neue Zeit« (Moskau), »Neues Deutschland«, »Prawda«, »Probleme des Friedens und Sozialismus«, »Rinascita«, »Spiegel«, »L’Unitá«.

76/ Von der Aufbewahrung der Klischees (möglicherweise standen Kostenüberlegungen dabei im Vordergrund, dass man diese geätzten Metallplatten aufbewahrte) ist man bald abgekommen. Offenbar war auch die Manipulation mit ihnen zu aufwendig oder es kann sich auch herausgestellt haben, dass man doch immer andere Bildausschnitte oder -größen haben wollte.

77/ Es landete, weil der Nachfolgemieter (es war der Molden-Verlag, der am Fleischmarkt »Die Presse« druckte) keinen Wert auf das Zeitungsarchiv legte, schlussendlich bei der Arbeiterkammer Wien, die es um bescheidene 254.000.– öS erwarb. Ende der 50er-Jahre fanden Überlegungen zur Gründung eines Forschungszweiges für Zeitgeschichte am „Ford-Institut“ statt. Es sollte das historische „Tagblattarchiv“ übernehmen, wobei auch an eine Weiterführung gedacht wurde. Doch stattdessen wurde Anfang der 60er-Jahre an der Universität Wien das Institut für Zeitgeschichte gegründet (sein Leiter war Ludwig Jedlicka), das sich personell wie räumlich außerstande sah, das Tagblattarchiv zu betreuen. Ins Gespräch zur Betreuung des Archivs, das nun von der AK aufgestellt und weiterbetrieben werden sollte, nachdem es Josef Toch (1908–1983) in deren Kellern wiederentdeckt hatte. 1963 wurde eine Übereinkunft erzielt, dass die Ford Foundation – sie hieß jetzt Institut für fortgeschrittene Sozialwissenschaftliche Studien – die Auswertung des Archivs übernimmt. Für die Überlassung von Kopien einschlägiger Dokumente sei Herrn Theo Venus gedankt.

78/ Das war auch immer wieder eine Fehlerquelle, insofern man zu stempeln vergessen bzw. es übersehen konnte, den Datumsstempel umzustellen, oder den Zeitungstitel nicht auf den Abschnitt stempelte. Obwohl die seltene Ausnahme, finden sich solche Artikel, wo man dann mit kriminalistischem Spürsinn versuchen muss eine Zuordnung zu finden. (So kann u.U. der Text auf der Rückseite Hinweise liefern, die zur Klärung beitragen, oder man versucht vom Schriftbild auf die Zeitung zu schließen usw.)

79/ Dieser zutiefst richtige Gedanke fand ganz offensichtlich kein Gehör (und schon gar nicht Verständnis) bei den jeweiligen Verantwortlichen (Chefredaktion, dann Abteilung Presse beim ZK der KPÖ)

80/ Obwohl nach 1945 nur „natürliche“ Kleber in Gebrauch waren, sind teilweise chemische Veränderungen im Zusammenhang mit dem schlechten Nachkriegspapier zu bemerken.

81/ Das waren Heftordner (aus Karton) mit Hebelautomatik, die in Holzregalen nach der vorhandenen Systematik aufgestellt waren.

82/ »News«, 42/1998, S. 48. In diesem Zusammenhang ist es vielleicht nicht uninteressant, darauf hinzuweisen, dass besagter Journalist, Alfred Worm, vom Beruf Bautechniker war, der über die Tätigkeit eines Ghostwriters von Helmut Zilks Kronenzeitungskolumne schlussendlich zum Aufdecker und Abgeordneten der ÖVP mutierte.

83/ Otto Heller (1897–1945): 1914–18 war er im Ersten Weltkrieg Frontoffizier und gehörte 1918 dem Volkswehrbataillon an, bei dem er von 1919–20 Sekretär des Reichsbildungsamtes war (als Nachfolger v. J. L. Stern). 1921 Gründungsmitglied der KPC in Reichenberg und dort 1921–26 Redakteur im »Vorwärts». 1926 wurde er aus der CSR ausgewiesen und ging nach Berlin, wo er Redakteur in »Welt am Abend« und »Die Rote Fahne« war. Beschäftigte sich in dieser Zeit mit der Judenfrage und machte Reisen nach Sibirien. 1933 Emigration via CSR in die Schweiz, wo er Mitarbeiter in der »Inprekorr« wurde. 1934–36 Redakteur in der »Deutschen Zentralzeitung« in Moskau. Fuhr nach Paris, wo er im Spanienapparat mitarbeitete. Mitglied in der Front National Autrichien. Zwischen 1939 –1940 in Colombes près de Paris, dann Meslay du Maine interniert. 1941 erneut verhaftet und mit zahlreichen anderen österreichischen Kommunisten (u.a. Gerti Schindel) wegen Hochverrats angeklagt. Trotz Freispruchs in Le Vernet, dann in Les Milles interniert. Nach Flucht bis 1942 in Nîmes. Er wurde von der österr. Widerstandsorganisation als Dolmetsch in die deutsche Wehrmacht eingebaut. 1943 von der Gestapo verhaftet, 1944 ins KZ Auschwitz transportiert. 1945 ins KZ Mauthausen evakuiert, von dort ins KZ Ebensee wo er verstarb. Schrieb die Bücher: Sibirien. Ein anderes Amerika, 1930; Der Untergang des Judentums. Die Judenfrage, ihre Kritik, ihre Lösung durch den Sozialismus, 1931; Wladiwostok. Der Kampf im Fernen Osten; Das Geheimnis d. Mandschurei, 1932; Kommunismus u. Judenfrage, in: Klärung. Zwölf Autoren, Politiker über d. Judenfrage, 1932; Der Jude wird verbrannt. Untertitel „Studien zur Juden- u. Rassenfrage, 1939 (unveröff. Manus; ZPA).

84/ Josef Gradl (1914–1989): Trat 1932 der KPÖ bei. Nach den Februarkämpfen wurde er verhaftet. 1937 ging er als Freiwilliger nach Spanien. Nach Kriegsende arbeitete er in der österreichischen Gruppe der Widerstandskämpfer in Frankreich und gehörte (wie z.B. Gerti Schindel) zu jenen, die als Fremdarbeiter nach Österreich fuhren, um hier im Widerstandskampf aktiv zu werden. Wurde von der Gestapo verhaftet und schweren Foltern ausgesetzt. Es gelang ihm, trotz Verfolgung und schwerer Verletzung durch die SS, an deren Folgen er sein weiteres Leben zu leiden hatte, die Flucht aus dem Gestapokerker in der damaligen Südsteiermark. Er war Organisator des Archivs der österreichischen Interbrigadisten, sammelte Dokumente, Fotos (von denen er zahlreiche in Form von Kopien dem Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands zur Verfügung stellte, wo man ein Spanienarchiv aufzubauen begonnen hatte) und Namen von österreichischen Spanienkämpfern. Diese Sammlung wurde seinerzeit der KPÖ übergeben und wird nun von der Alfred Klahr Gesellschaft betreut. Unermüdlich sammelte er Erinnerungen von ehemaligen Spanienkämpfern, einschlägige Fotos und anderes Material, das dann zum Teil Eingang in das Buch Österreicher im Spanischen Bürgerkrieg fand. Er verfasste Die Erlebnisse eines Kommunisten im Kampf für Österreich, 1974 (unveröff. Manus.) 1948 wurde einer der für seine Folterungen verantwortlichen Gestapobeamten (Wolf) zu acht Jahren schweren verschärften Kerker verurteilt. Der Staatsanwalt sagte damals: „Die Qualen, über die uns Josef Gradl erzählt, gehen weit über das hinaus, was ein Durchschnittsmensch überhaupt ertragen kann. Und doch erzählt es Gradl in einer Ruhe und Selbstdisziplin, dass man die Überzeugung gewinnt, er spreche die reine Wahrheit.“ (Aus: »Österreichische Volksstimme«, 30.10.1948)

85/ Als Ausfluss der Versuche der deutschen Treuhandgesellschaft die finanziellen Ressourcen der KPÖ in die Hände zu bekommen.

86/ Otto Brichacek: (1914–1999): kam 1934 von den Roten Falken zum KJVÖ und dann zur KPÖ. Absolvierte die internationale Leninschule in Moskau und kehrte 1936 zur illegalen Arbeit nach Österreich zurück. 1938 emigrierte er über die CSR nach England. Dort wurde er Vorsitzender der Freien Österreichischen Jugend in England, der er auch nach seiner Rückkehr nach Österreich war. 1945 war er Gründungsmitglied des Weltbundes der demokratischen Jugend. Bis 1953 blieb er ZK- u. Polbüromitglied. Zwischen 1953–1956 war er aus der Partei ausgeschlossen. Er gehörte 1988 zu den Initiatoren des Treffens der Alt-KJV’ler und 1990 zu den Initiatoren des Klubs 34.

87/ Die Erstunterzeichner dieses Aufrufes waren: Otto Brichacek, Vinzenz Böröcz, Helmut Fellner, Gerti Fritz, Friedl Garscha, Betty Hirsch, Margareta Klug, Hans Mikosch, Gerhard Oberkofler, Eduard Rabofsky, Rudi Safranek, Rosi u. Rudi Schober, Mia Schönfeld, Grete Schütte-Lihotzky, Milli u. Valentin Strecha, Fritz Weber, Hans Wolker und Raimund Zimpernik. In der Folge wurde dieser Aufruf von weiteren Personen unterzeichnet und dem Bundesvorstand übergeben.

88/ Beschluss des Buvo, April 1993, in: »Argument», 13.4.1993.

89/ Alfred Klahr Gesellschaft wird gegründet, in: »Argument«, 31.8.1993.

90/ Es setzte sich zusammen aus: Winfried Garscha, Michael Graber, Hans Hautmann, Waltraud Fritz-Klackl, Gerhard Oberkofler, Walther Leeb, Franz Muhri, Willi Weinert, Jakob Zanger.

91/ Sie fand am 13.11.1993 in Wien 14, Drechslergasse 42 statt.

92/ Ihm gehörten an: Robert Bondy, Otto Brichacek, Maria Cäsar, Josef Enzendorfer, Mag. Helmut Fellner, Mag. Waltraud Fritz-Klackl, Dr. Winfried Garscha (Schriftführer), Mag. Michael Graber, a.Univ.-Prof. Dr. Hans Hautmann (Präsident), Anton Hofer, Prof. Franz Kain, Dr. Margareta Klug (Vizepräsidentin), Dr. Walther Leeb, Max Muchitsch, Franz Muhri, Univ.-Prof. Dr. Gerhard Oberkofler (Vizepräsident), Otto Podolsky, Prof. Dr. Eduard Rabofsky, Rudolf Schober, Irma Schwager (Vizepräsidentin), Fini Seif, Erich Stöckl, Dr. Jakob Zanger, Dr. Heinz Zaslawski. Willi Weinert wurde zum wissenschaftlichen Leiter bestellt. (vgl. dazu auch den Beitrag von H. Hautmann Die Alfred Klahr Gesellschaft und ihre Tätigkeit in diesem Buch.)

Beitrag im Referenzband der Alfred Klahr Gesellschaft "Quellen und Studien 2000. Die Alfred Klahr Gesellschaft und ihr Archiv. Beiträge zur österreichischen Geschichte des 20. Jahrhunderts". Wien 2000

 

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