Klahr    Alfred Klahr Gesellschaft

Verein zur Erforschung der Geschichte der Arbeiterbewegung

Drechslergasse 42, A–1140 Wien

Tel.: (+43–1) 982 10 86, E-Mail: klahr.gesellschaft@aon.at


 

Home
AKG
Veranstaltungen
Mitteilungen
Publikationen
Geschichte
Links

 

Hans Hautmann: Die Hommage für Karl Paryla

Am 13. Juni 1997 hielt die Alfred Klahr Gesellschaft in der Wiener Urania eine Gedenkveranstaltung für Karl Paryla und seine Jahre im „Neuen Theater in der Scala“ ab. Die Idee dazu wurde geboren, als beim Tod Karl Parylas am 14. Juli 1996 seiner Person von Seiten offizieller Instanzen nicht jene Würdigung zuteil wurde, die diesem Mann, einem der bedeutendsten österreichischen Schauspieler und Regisseure unseres Jahrhunderts, gebühren mußte. Am unrühmlichsten verhielt sich der ORF, der ansonsten bei gleichen Anlässen stets Erinnerungssendungen zu bringen pflegt. Er strahlte keinen einzigen Film oder eine Fernsehaufzeichnung mit Paryla aus, obwohl im ORF-Archiv genug dergleichen vorhanden ist. Bei vielen, die ihn kannten und als Schauspieler erlebt haben, löste das, gelinde gesagt, Befremden aus. Das ist der Grund, warum wir uns in der Alfred Klahr Gesellschaft dann eines Tages den Kopf darüber zerbrochen haben, wie man das wenigstens zum Teil wiedergutmachen könnte. Und das Ergebnis unseres Nachdenkens war die Hommage.
Zwischen der Scala bzw. Paryla und der Alfred Klahr Gesellschaft besteht aber noch ein weiterer wesentlicher Zusammenhang, der uns für eine derartige Initiative prädestinierte. Die Scala als volksbildnerische Bühne, als „Theater der Werktätigen“, war ein nicht wegzudenkender Bestandteil der kulturellen Traditionen der KPÖ nach 1945 und hätte ohne die finanzielle, politische und moralische Unterstützung seitens der KPÖ und ihrer Mitglieder sicherlich nicht acht Jahre lang existieren können. Die Alfred Klahr Gesellschaft, die seit ihrer Gründung im Jahr 1993 die Archiv- und Bibliotheksbestände der KPÖ verwaltet, einen Fundus von allgemeinem zeitgeschichtlichen Wert, den man guten Gewissens als ein nationales österreichisches Kulturgut bezeichnen kann, besitzt daher auch Materialien über die Scala. Darüber hinaus vertritt sie jene Prinzipien, denen sich die Mitglieder der „Sozietät“ der Scala (Persönlichkeiten wie Wolfgang Heinz, Emil Stöhr, Otto Tausig, Karl Paryla) stets verbunden fühlten: der Parteinahme für die Ideale des Antifaschismus, der Demokratie, des Sozialismus und des Friedens.
Und noch etwas gab uns das Recht zur Durchführung einer solchen Veranstaltung: die Tatsache, daß viele Mitglieder der Alfred Klahr Gesellschaft seinerzeit in der Publikumsorganisation der Scala, den „Theaterfreunden“, tätig waren oder als Abonnenten und Besucher unvergeßliche Eindrücke in einem Theater bekamen, das mit seinem großartigen Ensemble und Aufführungen höchster künstlerischer Qualität österreichische Bühnengeschichte geschrieben hat.
Schon im Zuge der organisatorischen Vorbereitung war zu verspüren, daß wir mit der Hommage einem Wunsch nachkamen, den viele als solchen empfanden. Alle von uns angesprochenen Personen, die wir um Mitwirkung baten, waren für die Idee von Anfang an eingenommen und sagten ihre Teilnahme spontan zu: Otto Tausig, Lilly Schmuck-Tausig und Hella Reichmann-Ferstl als seinerzeitige Mitglieder des Scala-Ensembles, Dr. Klara Hautmann Kiss als einstige Bühnenbildnerin, Dr. Evelyne Deutsch-Schreiner als Verfasserin einer 1992 erschienenen Paryla-Biographie, Dr. Wilhelm Pellert als Autor der ersten wissenschaftlichen Darstellung der Geschichte der Scala und Prof. Arthur West als Schriftsteller, Publizist und persönlicher Freund Karl Parylas. Ihre Beiträge, Lesungen, Anekdoten, Rezitationen fanden beim Publikum in dem mit 150 Besuchern restlos gefällten Saal der Urania großen Anklang. Zwischendurch wurden Videosequenzen, Tondokumente und Szenenfotos aus Scala-Aufführungen eingeblendet, in denen Karl Paryla zu sehen und zu hören war. Die Moderation der über zwei Stunden dauernden Veranstaltung besorgte der Präsident der Alfred Klahr Gesellschaft, Hans Hautmann.
Ihm wäre es ohne die Hilfe anderer nicht möglich gewesen, den Abend so zu gestalten, wie er verlief. Zu danken ist dem wissenschaftlichen Leiter der Alfred Klahr Gesellschaft, Willi Weinert, der die Einladung und die Diapositive herstellte, der Sekretärin der Alfred Klahr Gesellschaft, Fini Seif, die die Anmeldungen entgegennahm und gemeinsam mit dem Kassier der Alfred Klahr Gesellschaft, Otto Podolsky, für den Bücher- und Informationstisch sorgte, Otto Tausig, der die Videosequenzen mit Paryla zur Verfügung stellte, Heinz Granzer und seinem Mitarbeiter, der sie auf ein anderes Band schnitt und in die geeignete Reihenfolge brachte, den beiden Vorführern der Urania, die trotz der kurzen Probezeit die Einspielungen ohne die geringste Panne bewerkstelligten, und Herrn Architekten Rudolf Hautmann, der das Eingangsdia entwarf und die gesamte Veranstaltung auf Video aufzeichnete.
Die Hommage war für die Alfred Klahr Gesellschaft ein Schritt in ein Neuland der Öffentlichkeitsarbeit, der Versuch, Menschen aus der Sphäre der Kultur- und Theaterschaffenden anzusprechen. Das Echo aus dem Publikum zeigte, daß das Experiment erfolgreich war.

Mitteilungen der Alfred Klahr Gesellschaft, Nr. 3/1997

 

Zurück Home Nach oben Weiter