Klahr    Alfred Klahr Gesellschaft

Verein zur Erforschung der Geschichte der Arbeiterbewegung

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Karl Kraus über Österreichs letzten Kaiser

Am 18. Mai 2004 gab der Diözesanbischof von St. Pölten, Dr. Kurt Krenn, in seiner Eigenschaft als Präsident der Kaiser-Karl-Gebetsliga folgende Erklärung ab:
„Mit Dank gegen Gottes weise Vorsehung ist es mir als Präsident der Kaiser-Karl-Gebetsliga eine aufrichtige Freude bekannt zu geben, dass der heilige Vater, Papst Johannes Paul II., die Aufnahme des Dieners Gottes, Kaiser Karl von Österreich, in die Schar der Seligen am Sonntag, den 3. Oktober 2004, in Rom vornehmen wird. Für alle Mitglieder der weltweit verbreiteten Kaiser-Karl-Gebetsliga und für alle Menschen guten Willens ein Grund, den zu loben, der letztlich alles Gute und Edle im Diener Gottes und in uns bewirkt und vollendet, Gott, unser Herr.
Nach genauer Prüfung des Lebens und Sterbens Kaiser Karls von Österreich ist das Urteil der Kirche nunmehr endgültig: Kaiser Karl ist ein heroisches Vorbild an christlichen Tugenden, die er in einem verantwortungsvollen Leben als Mensch, Staatsmann, Ehemann und Familienvater erworben hat und die bis zu seinem Tod in der Verbannung zu leuchtenden Zeichen der Christusnachfolge geworden sind.
Über seinem Schicksal, hingestellt in die Wirren der damaligen Zeit, steht das Wort des Evangeliums: ‚Dein Wille geschehe'. Auch in den dunklen, trostlosen und schweren Stunden seines Lebens war dies sein festes Ziel. Auf seinem Totenbett sagte Kaiser Karl: ‚Ich muss so viel leiden, damit meine Völker wieder zusammenfinden'. Heute, Jahrzehnte später, haben seine Völker eine neue Form des Miteinanders gefunden. Mögen sie im neuen Seligen, der ihnen allen nahe war, auch einen himmlischen Helfer erkennen und ein Vorbild finden, das ihnen Licht auf dem Weg in die Zukunft ist, in eine Zukunft der Verantwortung vor Gott und der Achtung der Würde jedes Menschen.“1
Die meisten seiner Zeitgenossen waren da anderer Meinung. Eine davon, die von Karl Kraus, soll hier als heilsamer Dämpfer zum Tamtam, das die österreichischen Medien am 3. Oktober 2004 rund um den neuen Seligen so sicher wie das Amen im Gebet veranstalten werden, zur Präsentation kommen.

Hans Hautmann

„Der monarchische Gedanke beruht auf dem Mißverhältnis zwischen persönlicher Minderwertigkeit und der Verfügung über das Schicksal von Millionen, deren letzter mehr wert ist als jener Erste. Er entwickelt sich, solange einer an der Krücke ihrer Wahnideen fortschreitenden Menschheit dieses Mißverhältnis nicht zur Anschauung gelangt ist; er schwindet mit einer Erkenntnis dahin, die die primitivste Sicherung des Lebensrechts bedeutet. An und für sich vermag die Möglichkeit, daß der Monarch ein Trottel ist, der Idee, die ihm, seiner Sippe, seinem Troß und Anhang die Existenz auf der Basis der Unsicherheit aller anderen Existenzen gewährleistet, keinen Abbruch zu tun. Es darf nur nicht so weit kommen, daß man es ihm beweisen kann, oder vielmehr (da die Beweisführung solange es ihn gibt die Existenz am schwersten bedroht) daß der Drang es zu beweisen zum unwiderstehlichen Zwang wird, dessen Beherrschung der staatlichen Konstitution ungesund ist; es darf nicht so weit kommen, daß es, irgendwo auf dem Erdenrund ausgesprochen, mit jener Ruchbarkeit in das Bewußtsein des Volkes eindringt, die beinahe die Kraft hat, als hörbarer Chorus jede Regentenhandlung zu begleiten. In solchen Epochen schließt sich an die Resignation, die damit vorlieb nimmt, daß der Erste nicht auch der Weiseste ist, der Zweifel, warum es ausgerechnet der Dümmste sein muß.“2
„Gewiß, ein Monarch kann auf Regierungsdauer ein Trottel sein, das widerstreitet nicht dem monarchischen Gedanken. Wenn er sich aber auch in der Zeit, da er kein Monarch mehr ist, wie ein Trottel benimmt, nämlich durch die Art, wie er wieder Monarch werden möchte, so sollte man doch meinen, daß auch die Anhänger des monarchischen Gedankens ihm die Eignung hiezu absprechen müßten. Freilich huldigen ja die Anhänger des monarchischen Gedankens auch der Anschauung, daß ein Trottel, der einmal Monarch war, gar nicht aufgehört habe, einer zu sein, nämlich ein Monarch, so daß ihn der Umstand, daß er sich auch während der Unterbrechung als ein solcher gezeigt hat, nämlich als ein Trottel, nicht hindern könne, ein Monarch zu werden, der er immer war und ist. Woraus ferner hervorgeht, daß auch die Anhänger des monarchischen Gedankens nie aufhören, das zu sein, was sie sind und immer waren, nämlich Anhänger des monarchischen Gedankens.“3

1/ www.beatificationemperorcharles.info/
Deutsch/Ankündigung.htm, download September 2004
2/ „Er hat so Heimweh gehabt“, in: Die Fackel, Nr. 568-571, Mai 1921, S. 4
3/ „Epilog. Gesprochen am 30. Oktober“, in: Die Fackel, Nr. 577-582, November 1921, S. 27. Unmittelbarer Anlass für diese Ausführungen von Karl Kraus waren die beiden gescheiterten Restaurationsversuche des Exkaisers in Ungarn.

Mitteilungen der Alfred Klahr Gesellschaft, Nr. 3/2004

 

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