Klahr    Alfred Klahr Gesellschaft

Verein zur Erforschung der Geschichte der Arbeiterbewegung

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Mirko Messner: 30 Jahre "Ortstafelsturm" in Kärnten

Ein Bericht über das diesjährige Symposium der Alfred Klahr Gesellschaft am 19. Oktober in der Aula des Universitätscampus im alten AKH in Wien.

Was die TeilnehmerInnen am diesjährigen Symposium der Alfred Klahr Gesellschaft einte, war die Einsicht, dass die Beschäftigung mit dem vor 30 Jahren stattgefundenen "Ortstafelsturm" in Kärnten so nahe liegt wie der Ortstafelkonflikt des Jahres 2002, in dem es um weit mehr geht als "nur" um zweisprachige Aufschriften. Der Kärntner Landeshauptmann und alle drei Kärntner Landtagsparteien weigern sich, ein Erkenntnis des österreichischen Verfassungsgerichtshof umzusetzen. Diese lapidare Feststellung beschreibt nichts weniger als die bewusste Ignorierung des antifaschistischen Auftrags des Österreichischen Staatsvertrags von 1955 und die Missachtung eines seiner wesentlichen Punkte - des Schutzes nationaler Minderheiten. Warum dies kein Zufall ist und kein üblicher, vorübergehender wahlpolitischer Opportunismus, sondern das Fortschreiben des chauvinistischen Erbes des Ortstafelsturms bzw. der ihm zugrundeliegenden hegemonialen deutschnationalen politischen Strukturen in Kärnten, wurde von den ReferentInnen aus verschiedenen Gesichtspunkten beleuchtet.

Das Einleitungsreferat zum Thema hielt der Klagenfurter Universitätsprofessor Dr. Peter Gstettner, aufgrund jahrelanger Recherchearbeit im Zusammenhang mit einem Prozess gegen den Kärntner Heimatdienst der wohl bestinformierte Fachmann auf diesem Gebiet. Seine aus amtlichen Protokollen und Erlebnisberichten abgeleitete Darstellung der Strukturen und des Verlaufs des Ortstafelsturms, mit streckenweise atemberaubenden Details über das Verhalten der Kärntner Medien und Landespolitiker aller drei Parteien, ist nicht nur die bisher einzige bündige Darstellung des chauvinistischen Pogroms des Jahres 1972, sondern ein in höchstem Maße nachdenklich machendes Sittenbild österreichischer Politik (vgl. den Beitrag Gstettners in dieser Ausgabe). Einzelne Aspekte der österreichischen Minderheitenpolitik und der politischen Situation in Kärnten referierten Univ.Prof. Dr. Karl Stuhlpfarrer ("Österreichs Südosteuropa-Politik und die Minderheitenfrage" mit besonderer Berücksichtigung der Kampagne gegen die Beneš-Dekrete und Avnoj-Erlässe), Univ.Prof. Dr. Gero Fischer ("Die Rolle der Slawistik im Konflikt um die slowenische Minderheit"), Vida Obid ("Das Dilemma der slowenischen Minderheitenorganisationen"), Dr. Sepp Brugger ("Österreichische Verfassungsrealität und Minderheitenrechte" mit besonderer Betonung der Ortstafelfrage) sowie Dr. Mirko Messner ("Sozialdemokratie und Minderheitenpolitik in Kärnten").

Unter den rund 100 TeilnehmerInnen des Symposiums waren viele StudentInnen und ehemalige AktivistInnen der Solidaritätsbewegung für die Rechte der Kärntner SlowenInnen aus den 70-er und 80-er Jahren - stellvertretend für diese seien genannt die ehemalige Chefredakteurin der Kärntner Kirchenzeitung, Maria Halmer, die Journalistin Dr. Trautl Brandstaller, der Lehrer und Gewerkschafter Reinhard Sellner, sowie der Vorsitzende des seinerzeitigen Solidaritätskomitees in Wien, Ulrich Trinks. Ihnen und den ReferentInnen dankte abschließend der Präsident der Alfred Klahr Gesellschaft, Univ.Prof. Dr. Hans Hautmann, noch ganz besonders für ihr theoretisches, wissenschaftliches und praktisches Engagement, das grundlegend beiträgt zum demokratischen Widerstand und parteiübergreifender antinationalistischer Solidarität.

Das Symposium wird am Samstag, den 30. November, in Klagenfurt wiederholt (Jugendgästehaus in der Neckheimgasse, Universitätsgelände, Beginn um 15 Uhr), als gemeinsame Veranstaltung mehrerer Vereinigungen (Alfred Klahr Gesellschaft, Grüne Bildungswerkstatt, IKUC - Interkulturelles Zentrum Volkshaus/Ljudski dom, Luwig-Boltzmann-Gesellschaft - Institut für Interkulturelle Bildungsforschung, Slovenska prosvetna zveza/Slowenischer Kulturverband, Slovenski znanstveni institut/Slowenisches wissenschaftliches Institut, Universitätskulturzentrum UNIKUM).

Mitteilungen der Alfred Klahr Gesellschaft, Nr. 4/2002

 

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